11 Tipps, wie Sie das Schreiben von einfachen Texten verbessern

Veröffentlicht am 30.11.2019 von Manuela Seubert

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Gehören Sie zu den Mitarbeitenden eines kleinen oder mittelgroßen Unternehmens, die Gebrauchstexte schreiben und Texte veröffentlichen sollen? Nicht jedes Unternehmen kann intern für seine Kommunikation auf ausgebildete Textende, Journalist*innen oder PR-Fachleute zurückgreifen. Oftmals fehlt zusätzlich das Budget für externe Fachkräfte. Gerade in KMU wird das Texten von ungeschulten Menschen nebenbei gestemmt.

Wie ich finde – mutige – Menschen, die sich abseits ihrer Fachkompetenz ans berufliche Texten für überwiegend externes Publikum heranwagen. Manchmal erhalten sie dafür eine Weiterbildung von ihrer Firma, manchmal – leider – nicht.

Für diese mutigen Neu-Texter*innen in KMU und NGOs habe ich die folgenden Tipps zusammengestellt. Tipps, die auf den ersten Blick banal klingen mögen. Tipps, die Sie definitiv nicht zum Profi-Texter machen. Es sind Tipps, wie Sie sich Schritt für Schritt eine höhere Textsicherheit aneignen. Und Textwerkzeuge, die Sie für einen einfachen und sachlich fundierten Text fitter machen.
Schritte zum Start in das Textabenteuerland :-).

Also, Textprofis hören hier auf zu lesen! Texterfrischlinge, die nebenbei Kommunikationsaufgaben erfüllen, dürfen gerne weiterlesen.

Tipp 1: Übung macht den Meister

Nein, nicht dieser Spruch! Haben Sie sich das gerade gedacht? Ich kann es Ihnen nicht verdenken.
Doch leider stimmt er nicht nur für angehende Handwerker, sondern auch für Ihren Weg zur Textmeisterschaft.

Denken Sie bitte nicht, weil alle in der Schule schreiben gelernt hat, können auch alle texten. Viele Text- und PR-Fachleute haben sich ausbilden lassen, Weiterbildungen besucht und haben jahrelange praktische Erfahrung.

Also beginnen Sie u. a. mit dem Üben. Jeder noch so kleine, scheinbar unbedeutende Textschnipsel schult Sie. Beispiele gefällig?
Dann lesen Sie Tipp 2 und 3, ansonsten springen Sie gleich zu Tipp 4.

Tipp 2: Einkaufszettel schreiben

Was haben Äpfel, Joghurt, Shampoo & Co. bitteschön mit Texten zu tun? Sie ahnen es: Dies ist einer der eher banal klingenden Tipps.

Aufgabe: Stellen Sie sich vor, Sie sind krank und können nicht einkaufen gehen. Schreiben Sie Ihren Einkaufszettel so, dass eine andere Person in einem Geschäft schnell für Sie notwendige Einkäufe tätigen kann. Dafür müssen Sie sich auf Struktur des Geschäfts und exakte Angaben konzentrieren. Schließlich wollen Sie Ihr Helferlein effizient durch den Einkaufsmarkt lenken, während es gleichzeitig aus dem überwältigenden Angebot an Frühstücksflocken tatsächlich Ihr Lieblingsmüsli mitbringt.

Was lernen Sie anhand eines gut geschriebenen Einkaufzettels? Erstens: Einstellen auf den Leser und zweitens Struktur.

Tipp 3: Nachricht für Dich

Haben Sie sich schon einmal über Nachrichten auf Haftzetteln, in SMS oder Messengerdiensten geärgert? Ich schon.
Sie finden z. B. einen Klebezettel auf Ihrem Bildschirm: “Bin schon in der Mittagspause” – nur von wem? Im Messenger lesen Sie: “Wir treffen uns am üblichen Treffpunkt” – doch bei den letzten Treffen waren die Orte immer verschieden.

Sie merken schon: Die Schreiber haben sich bei den beiden Texten nicht in den Lesenden hineinversetzt, damit ihre geschriebenen Texte verstanden werden und die gewünschte Handlung erfolgt.

Tipp 2 und 3 klingen banal. Sie sind trotzdem zwei Beispiele für Mini-Übungsmöglichkeiten. Doch gehen wir noch einen Schritt zurück.

Haben Sie Selbstvertrauen mit Ihrem Start ins Texten, denn:

Tipp 4: Sie haben Vorkenntnisse beim Texten.

Ich bin mir sicher: Wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie feststellen, dass Sie in Ihrem Leben schon einiges getextet haben! Wenn Sie von Ihrer Führungskraft mit Kommunikationsaufgaben betraut werden, scheint Ihre Schreibe Potential zu haben.

Dies haben Sie wahrscheinlich folgendermaßen erlangt: In der Schule haben Sie gern Erörterungen geschrieben; Berichtshefte haben Sie in Ihrer Lehrzeit gern geführt; Ihre Kolleg*innen suchen bei deren Textentwürfen Ihren Rat; Ihre Präsentationen werden von Ihrem Kollegium geschätzt; Angebote, Geschäftskorrespondenz, E-Mails gehören zu Ihrem beruflichen Alltag, u. ä.

Merken Sie’s? Sie haben schon Erfahrung in der Erstellung von Texten! Sie fangen nicht von Null an!

Doch um Texte mit Außenwirkung oder Texte fürs Web zu erstellen, braucht es etwas mehr. Dafür kommen die nächsten Tipps:

Tipp 5: Analytisches Lesen

Sicherlich haben Sie es schon häufig gehört: Wer viel liest, schreibt auch gut. Stimme ich dem zu? Ja, und ein klein wenig doch nicht ;-).

Ja, denn das Lesen von Fachbüchern, Comics, Magazinen, Belletristik, Tageszeitungen oder Gedichten erweitert Ihren Wortschatz und bietet Ihnen ein Bad in der deutschen Sprache mit seinen verschiedenen Stilrichtungen, von dem Sie sicherlich profitieren.

Nein, wenn Sie sich nur unterhalten lassen. Schauen Sie sich diese Texte zumindest einmal am Tag durch die Analysebrille an. Lesen Sie hier, wie Sie durch analytisches Lesen zu einem besseren Schreibstil kommen.

Tipp 6: Ein Buch über besseres Texten lesen

Sie werden für Ihr Unternehmen meist Gebrauchstexte schreiben: gut recherchiert, fachlich fundiert und gut lesbar. Letzteres können Sie anhand eines Buches erlernen. Textregeln können Sie sich antrainieren.

Ein Buch für besseres Texten habe ich vor Jahren hier im Blog rezensiert: W. Schneider: Deutsch für junge Profis. Ich empfehle es nach wie vor guten Gewissens für Textanfänger*innen.

Tipp 7: Können Sie im Zehnfingersystem tippen?

Tippende HändeHaupteingabegerät für Ihre Texte ist derzeit die Tastatur. Wenn Sie zukünftig professioneller und produktiver in Ihrer Textarbeit werden wollen, dann empfehle ich Ihnen: Lernen Sie das 10-Finger-System oder auch Blindschreiben genannt. Statt sich beim Tippen mit zwei Fingern auf die Buchstaben der Tastatur zu konzentrieren, fliegen Ihre 10 Finger blind darüber, während Ihre Augen auf dem Bildschirm (!) verfolgen, was Sie texten.

Klar, bis Sie das Blind-Tippen intus haben, braucht es wieder … Übung. Doch das Tippen mit 10 Fingern erleichtert Ihnen die Textarbeit enorm! Es gibt viele Programme im Internet, mit denen Sie kostenlos das Zehnfingersystem erlernen können. [Werbung ohne Auftrag =>] In meinem Umfeld haben Menschen mit Tipp 10 gute Lernerfahrungen gemacht.

Tipp 8: Etablieren Sie einen Schreibprozess

  1. Tägliche Routine: Schreiben Sie gerade als Neuling – wenn möglich – täglich. Ja, das hat mit dem Tipp 1 und der Übung zu tun. Stecken Sie sich für Ihre tägliche Übung kleine Ziele: z. B. 3 Sätze pro Tag als Tagesrückblick, 10 Minuten schreiben als Morgenritual oder 25 Minuten zum Abschluss des Tages.
  2. Ablauf Ihrer Schreibeinheit: Suchen Sie sich ein Einstiegsritual für Ihre tägliche Schreibzeit. Das signalisiert Ihnen in Zukunft: Jetzt beginnt meine Textarbeit!
    Mein Ritual besteht aus: Fenster zum Lüften öffnen; Hände eincremen und durchkneten; dabei tief die frische Luft einarbeiten und Schultern lockern; Fenster schließen und ran an die Tastatur.

Tipp 9: Verzichten Sie nicht auf ein Konzept

Denken Sie gerade: Mensch, mir fällt schon das Texten schwer und nun soll ich auch noch ein Konzept verfassen! Kann ich verstehen.
Doch haben Sie sich schon einmal gefragt, ob ein fehlendes Konzept Grund für Ihren möglicherweise schweren Einstieg ins Texten ist?

Wenn Sie sich im Klaren über Ziel, Inhalt, Struktur und wichtige Aussagen Ihres Textes sind, fällt Ihnen das eigentliche Schreiben einfacher – als wenn Sie einfach mal drauflos texten. Mit einem Konzept bringen Sie die Vielzahl Ihrer Ideen aus dem Kopf geordnet aufs Papier.

Tipp 10: Sie schreiben keinen Roman

Wirklich nicht! Sie laufen bei Ihren ersten Textversuchen auch nicht der Gefahr, dass ein Literaturkritiker vorbeischaut oder diese Textstücke für den Pulitzerpreis vorschlagen werden. Wirklich nicht!

Befreien Sie sich von der Vorstellung, dass Sie für jeden Text grandiose Substantive, originelle Beschreibungen oder wohltemperierte Satzbauten finden müssen. Damit verlieren Sie einfach zu viel Zeit und stressen Ihr Nervenkostüm.
Gut ist gut genug. Und: Ein Gebrauchstext ist ein Gebrauchstext, – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Tipp 11: Mehr lesen und mehr schreiben

Mit Tipp 11 komme ich auf Tipp 1 zurück: Übung.

Je mehr Sie lesen, desto unterschiedlichere Schreibstile, Textformen, Ausdrucksweisen und Beweisführungen lernen Sie kennen. Folgen Sie Blogs, die Ihnen Texttipps geben. Sie kommen durch Ihre gesteigerte Lektüreanzahl mit Texten in Kontakt, die besser sind als die Ihren und Ihnen bei der Verbesserung helfen.

Je mehr Sie schreiben, desto besser werden Sie. Vielleicht starten Sie ein Blog über Ihr spezielles Hobby, vielleicht beginnen Sie in Ihren Vereinsmagazin Berichte über Ihr Vereinsleben zu schreiben, vielleicht übernehmen Sie im Ehrenamt einen Social-Media-Kanal und veröffentlichen kleine Texte. Jedes bewusst erstellte Schriftstück wird Ihren Schreibstil ein wenig verbessern.

Fazit

Wenn Sie bisher kaum Texte mit Außenwirkung geschrieben haben, bin ich trotzdem der festen Überzeugung, dass Sie mit Mut, Übung, Wissbegieren und Lerneifer durchaus in der Lage sein werden, verständliche(re) Gebrauchstexte für Ihr Unternehmen zu texten.

Ich hoffe, meine ersten, teils einfachen Tipps für Anfänger*innen beim Texten erleichtern Ihnen den Einstieg.

Mit bestem Gruß
Ihre Manuela Seubert

PS: Wenn Sie sich individuelle Tipps für Ihren Schreibstil wünschen, stehe ich Ihnen gern für ein Schreibtraining zur Verfügung. Rufen Sie mich an: 06431/262232

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