Mentorin sein: Warum ich erst jetzt dazu kam und es mag

Veröffentlicht am 27.10.2017 von Manuela Seubert

Mentorin-seinKürzlich haben meine Mentee Ida und ich bei den Karrieremachern einen Audiobeitrag über unsere digitale Mentoring-Beziehung veröffentlicht.

Im Nachgang habe ich mir Gedanken darüber gemacht, warum ich nicht früher mit Mentoring in Verbindung kam und warum mir mein erster offizieller Einsatz als Mentorin gefällt.

Als Angestellte hätte ich gern einen Mentor gehabt

Bis 2010 war ich in meiner beruflichen Karriere als Angestellte tätig. Weder in den dortigen Unternehmen noch zuvor in der Schule oder Universität bin ich mit dem Mentoring-Konzept in Berührung gekommen. Als Angestellte wollte ich durch meine Leistung oder durch Weiterbildung auffallen und spannende Projekte und Aufgaben übertragen bekommen.

Natürlich gab es in diesen Jahren Situationen, in denen ich nicht weiterkam, an der gläsernen Decke mir Beulen holte. Mit dem Wissen und den Erfahrungen von heute glaube ich, dass die wohlwollende Betrachtung auf mein berufliches Wirken durch einen Mentor mich auf andere Lösungswege führen und mich früher auf den Nutzen eines belastbaren Netzwerkes hätte hinweisen können. Doch diese Methode der Personalentwicklung wurde in keinem Unternehmen meiner Arbeitgeber angeboten.

Auf neutralem Boden – sprich unabhängig vom Wohlwollen eines Chefs oder unternehmensinternen Förderern – mit jemandem meine Karriereschritte zu planen, hätte ich rückblickend gern in Anspruch genommen.

Als Freiberuflerin erstmals von Mentoring gehört

Seit Ende 2011 bin ich freiberuflich tätig. Wesentlich bewusster nehme ich seither die Karrierewege von Unternehmern und außergewöhnlichen Personen der Gesellschaft wahr. Über angelsächsische Literatur und Blogposts wurde ich auf Mentoring aufmerksam.

Vor zwei Jahren trat ich auf der Stelle, ich brauchte einen Blick von außen auf mich, meine Branche und auf mein Tun. Als Einzelunternehmer wollte ich nicht nur sporadisch, sondern über einen längeren Zeitraum mit jemandem an bestimmten Fragestellungen arbeiten. Glücklicherweise befand sich in meinem persönlichen Umfeld jemanden, den ich fragen konnte und der tatsächlich zusagte. Ich wurde Mentee!

Im Frühjahr dieses Jahres wurde ich Mentorin. Nicht unbedingt zunächst aus Überzeugung, dass ich dazu geeignet sei. Auch wenn ich schon einige Menschen beruflich eingearbeitet habe oder in meiner Beratungstätigkeit unterstütze und berate, wäre ich nicht darauf gekommen, dass sich jemand für meine beruflichen Erfahrungen zur Planung der eigenen Karriere interessieren könnte. Im privaten Bereich ja – nur ich habe dies nie auf den beruflichen Kontext übertragen.
Warum? Keine Ahnung! Vielleicht, weil es in Deutschland einfach nicht gelernt und nicht im Bewusstsein ist.

Mentorin wurde ich aus einem anderen Grund. Mein Freund Thomas Zimmerling entwickelte eine digitale Plattform, die über einen Algorithmus Mentoren und Mentees orts- und unternehmensunabhängig zusammenbringt. Kommunikativ unterstütze ich Thomas dabei, das Konzept und die Dienstleistung der Karrieremacher bekannt zu machen.
In diesem Zusammenhang kam ich erstmals auf den Gedanken, mich selbst ehrenamtlich als Mentorin zu engagieren. Wie Ida und ich gematcht wurden und welche Gedanken, Überlegungen wir dabei hatten, hören Sie im oben verlinkten Beitrag.

Warum gefällt es mir, Mentorin zu sein?

  • Es macht mir in erster Linie Freude.
  • Es ist sehr erfüllend zu sehen, wie meine Mentee meine Erfahrungen und Denkanstöße aufnimmt und umsetzt.
  • Meine Mentee zeigt mir, wie wertvoll selbst Kleinigkeiten meines Wissens sind. Das tut mir gut und macht mir Erfahrungen bewusst, die ich schon als selbstverständlich betrachte.
  • Ich bin glücklich darüber, dass ich als Solo-Selbstständige anderen Menschen meine beruflichen Erkenntnisse weitergeben kann – und dies ohne eine für mich zeitintensive Suche nach einem Mentee.
  • Mir gefällt der Gedanke, dass sich karrierewillige Menschen (Angestellte oder Selbstständige) unabhängig von Organisationen oder Verbänden selbst einen wohlwollenden Begleiter suchen können – gefühlt ein sehr demokratischer Prozess.
  • Das zeitliche Engagement ist in meiner derzeitigen, ersten formellen Mentoring-Beziehung überschaubar durch die ausschließlich digitale Beziehung: ca. zweimal 1,5 Stunden pro Monat.
  • Ich kann meine Erfahrungen ortsunabhängig anbieten und teilen. Limburg an der Lahn ist wirklich nicht der Nabel der Welt und durch meine vornehmlich online stattfindende Beratungstätigkeit reise ich nicht viel. Die Digitalisierung erlaubt mir eine „Fern-Mentoring-Beziehung“ einzugehen – entspannt von meinem Homeoffice aus.
  • Ich bin Teil von etwas Neuem: Menschen, die über Ihren Arbeitgeber oder Verband nicht durch Mentoring in ihrer beruflichen Karriere gefördert werden, können dies nun in Anspruch nehmen. Sie können eigenverantwortlich und unabhängig von organisatorischen Abhängigkeiten ihren beruflichen Weg gestalten. Das ist die positive Seite der Digitalisierung eines bisher fast ausschließlich analog vermittelten Prozesses.
  • Mentoring-Beziehungen sind nicht oberflächlich und ausschließlich sachorientiert. Als Mentee und jetzt als Mentorin komme ich meinem Tandem-Partner menschlich sehr nah. Schon mehrmals habe ich hier im Blog Martin Buber zitiert: Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Dies trifft auch auf das berufliche Mentoring zu.

Mehrfachtäter

Mit 50 Jahren bin ich erstmals Mentorin geworden. Sicherlich wird es nicht das letzte Mal sein – sowohl als Mentee als auch als Mentorin!

Welche Erfahrungen haben Sie mit Mentoring gemacht? Schreiben Sie selbst wie ich kurzfristig einen Beitrag für die Blogparade Mentoring in Deutschland 2017, die noch bis zum 31.10.2017 läuft. Oder kommentieren Sie unten.

Profilfoto: Sarah MacDonald Photography

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