Kommunikatoren und Schusters Schuhe

Veröffentlicht am 05.09.2018 von Manuela Seubert

Sind Kommunikatoren zu leise, wenn es um die eigene Profession geht? Oder: Hat der Schuster wirklich die schlechtesten Schuhe?

Zum letzten Mal mache ich mir Gedanken zu einer Frage, die mir ein Newsletter-Abonnent für meine #10minBlog-Challenge (s. u.) geschenkt hat.

Digitalisierung und Kommunikator

Die Digitalisierung verschont das Berufsbild des Kommunikators nicht.

Auf dem DPRG-Zukunftsforum 2017 beschrieb Philip Schindera, Leiter Unternehmenskommunikation bei der Telekom, sieben Rollen der Kommunikatoren: Digitalisierungs-Treiber, Orientierungsgeber, Netzwerker, Analyst, Storyteller, Krisenmanager und Event-Experte.

Begriffe wie Content-Strategie und Content-Marketing machen es nicht einfacher, den Kommunikator wahrzunehmen im Vergleich zu Marketingexperten, Content-Strategen oder Online-Spezialisten.

Schon die Begriffe Public Relations, Öffentlichkeitsarbeit oder Corporate Communications wurden früher und werden von vielen nicht verstanden. Jetzt kommen die soeben beschriebenen Rollen des Kommunikators, Abgrenzungsprobleme und die in Fachkreisen unterschiedlich diskutieren Definitionen zu Einzelbegriffen unserer Disziplin hinzu.

Die Verwirrung und Unkenntnis um den Kommunikator hat meines Erachtens nach durch die Digitalisierung zugenommen. Woher rührt das? Können wir Kommunikatoren etwas dagegen tun?

Eigen-PR für die Rolle des Kommunikators

Ältere Kommunikatoren

Gehe ich von der älteren Riege der Kommunikatoren aus – sagen wir ab ca. 45 Jahren – so stelle ich zunächst einmal fest, dass sie zu den digital immigrants gehören. Sie und ich kennen die Zeiten ohne PC, Laptop oder Smartphone. Der ein oder andere erinnert sich sogar noch an die Datenverarbeitung per Lochkarte.

Kommunikatoren hatten (und haben es immer noch) die Aufgabe, Geschäftsführer, Vorstandsmitglieder, das Unternehmen als Ganzes oder dessen Produkte/Dienstleistungen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, Beziehungen zu pflegen und Vertrauen aufzubauen. Der Kommunikator – bis auf den Pressesprecher – ist in der zweiten Reihe eher unsichtbar.

Personal Branding oder Mitarbeiter als Markenbotschafter oder Influencer zu etablieren, standen früher nicht im Fokus der Kommunikationsarbeit. Das Renommee und Können des älteren Kommunikators wurde indirekt durch seine Erfolge für andere ermittelt, machte sich in Gremienarbeit bemerkbar oder durch Fachveröffentlichungen, ganz analog.
Die eigene Profession proaktiv im eigenen Umfeld bekannter zu machen – wie viele haben darüber wohl nachgedacht?

Ältere Kommunikatoren machen eher wenig Aufheben um ihre Profession und üben ihre Berufung mit einem gewissen Understatement aus. Natürlich, Ausnahmen zu diesen unauffälligen Kommunikationsspezialisten finden sich auch in dieser Altersgruppe.

Jüngere Kommunikatoren

Schauen wir uns die heutigen Kommunikatoren an. Deren Erfahrungswelt ist teilweise seit ihrer Jugendzeit digital geprägt.

Spätestens seitdem jedes Smartphone ansehnliche Fotos macht und jeder mobil Zugang zum Internet hat, tritt eine andere Generation Kommunikatoren auf den Plan: Sie vernetzen sich offen über Social-Media-Plattformen; sie sind mit ihrer beruflichen und privaten Persönlichkeit sichtbar; sie haben keine Scheu, ihre Meinung zu vielen Themen kundzutun – manchmal auch unabhängig davon, wie internetaffin und öffentlich zugänglich das Unternehmen ist, für das sie arbeiten; sie sind nicht leise, wenn es um ihre berufliche Arbeit in der Kommunikation geht.

Gut so! Auch in dieser Gruppe gibt es Ausnahmen – junge Kommunikatoren, die sich nicht ins Rampenlicht stellen.

Wie wirken wir nun nach außen?

Über die Internetplattformen und öffentliche Auftritte der oben beschriebenen Kommunikationskollegen können nun Nicht-Kommunikatoren Einblick in die Arbeitsweise von Kommunikatoren nehmen. Sie erleben, dass in der Kommunikation mit Wissen, Handwerk und viel Engagement relevanter Content für die Stakeholder eines Unternehmens entsteht.

Gleichzeitig dürfen die Nicht-Kommunikatoren erleben, welche Werte, Ansichten und Gedanken zu gesellschaftlichen, politischen und betriebswirtschaftlichen Themen ein Kommunikator hat, der sich ins Rampenlicht seiner eigenen Bühne stellt.

Ich empfinde es so: Wir Kommunikatoren sind nicht mehr gar sooo leise wie in der Vergangenheit bezüglich unserer eigenen Profession.

Trotzdem täte es unserer Fachdisziplin gut, wenn mehr Kommunikatoren aller Altersklassen über ihren Alltag berichten und damit die black box “Public Relations/Öffentlichkeitsarbeit” durchsichtiger machen. Dazu gehört, dass sich im Zuge der Digitalisierung unsere Rolle ändert und wir selbst erneut in einem Findungsprozess sind – fragend, neugierig, herantastend und noch ohne Lösung.

Wie war das noch mit des Schusters Schuhen?

Kommunikatoren, ob in Unternehmen oder als Selbstständige, kreisen in ihrem Alltag darum, andere sichtbar zu machen – wie oben beschrieben. In gewisser Weise stehen Sie hinter dem Vorhang auf der Bühne, die ein anderer betritt. Sie liefern den Input für diese Vorstellung, halten den Betrieb im Hintergrund am Laufen, vermitteln zwischen den beteiligten Parteien und … vergessen sich dabei manchmal selbst.

Es gibt immer etwas, was zu veröffentlichen, zu regeln oder zu organisieren ist. Zeitrestriktionen und andere Prioritäten müssen nicht unbedingt mangelnde Professionalität des Schusters Kommunikators ausdrücken, wenn sein eigenes Berufsprofil auf sozialen Plattformen nicht aktuell ist oder ein selbstständiger Kommunikationsdienstleister keine eigene Internetpräsenz hat.

Macht dieser Kommunikator gute Arbeit, spricht sich das herum und wirkt für ihn.

Mein Fazit

Haben Sie bis hierhin gelesen? Sie ahnen, dass dieser Artikel definitiv nicht in 10 Minuten entstanden ist (lauter Seufzer bzgl. meines Challenge-Vorhabens).

Ich bin mir nicht im Klaren, ob wir Kommunikatoren zu leise sind. Was sagen denn die Nicht-Kommunikatoren unter meinen Lesern dazu? – Schließlich können nur Sie diese Frage objektiv beantworten (augenzwinkernder Hinweis auf die Kommentarfunktion)!

Wie sehen das die Verbände rund um die Kommunikationsberufe? Welche Role Models bei der Vermarktung der Kommunikations-Profession gibt es bereits? Wollen die Kommunikatoren dies auch selbst? Könnten sich Kommunikatoren auf eine Kampagne einigen?

Nachdenkliche Grüße, Ihre Manuela Seubert

PS: Dies ist Beitrag 29 im #10minBlog-Projekt.

PPS (7.9.2018): Die #10minBlog-Challenge ist erkenntnisreich zu Ende gegangen.

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