Die dumme Seite von Social Media, die wir nicht vorhergesehen haben

Veröffentlicht am 22.08.2018 von Manuela Seubert

Aus dem Kreis meiner Newsletter-Abonnenten erreichte mich folgende Aufforderung:

“Gerade lese ich in einem Artikel des (Name)-Magazins folgenden Satz:
‘Laut der Schriftstellerin Margaret Atwood hat jede Technologie drei Seiten: eine gute, eine schlechte und eine »dumme, auf die wir nicht vorbereitet waren«’,
Was ist für Sie die dumme Seite an Social Media?”

Eine extrem interessante Frage. Schließlich ist diese dumme, nicht vorhergesehene Seite diejenige, der wir theoretisch das Etikett “schlecht” anheften können. Der Grad zwischen “dumm” und “schlecht” ist sehr schmal.

Aber ich versuche eine Differenzierung, denn “schlecht” ist für mich in der Tat die Beeinflussung der menschlichen Psyche und Entscheidungsfähigkeit, die Manipulation durch die von Firmen mit Eigeninteresse entwickelten Algorithmen und die laxe Haltung zum Datenschutz.

Welche Dinge finde ich an Social Media dumm, weil wir sie nicht vorhergesehen haben?

Für mich besteht die dumme, unvorhergesehene Seite aus mehreren Aspekten, die ich im Folgenden beschreibe.

Zunächst im Namen Social Media steckt ja das Gesellige. Wir können uns unabhängig von Zeit und Raum mit Menschen verbinden, die wir schon ewig nicht mehr getroffen haben oder zu weit weg sind, als dass wir sie kurz einmal besuchen könnten. Ein riesiger Vorteil. Doch irgendwie erliegen wir – wenn wir nicht achtsam sind – der Illusion, dass wir mit ihnen in Beziehung stehen. Bezeichnungen wie “Freunde” oder “Follower” oder “Kontakte” gaukeln uns eine Nähe und eine Verbundenheit vor, die nicht der Realität entspricht.

Selbst wenn wir gemütlich auf dem Sofa sitzen und alle Kanäle der Social-Media-Bandbreite durchzappen, sind wir allein im Raum. Wir sind allein und doch irgendwie zusammen. Jedoch ist der Mensch ein Sinneswesen, er will seinen Tast-, Hör-, Seh- und andere Sinne einsetzen. Ein Wischen auf dem Smartphone, eine Video auf YouTube können nicht die herzliche Umarmung, den freundschaftlichen Klaps auf die Schulter oder den tiefen Blick ins Auge des Gegenüber ersetzen. Lassen Social Media einen Teil unserer Sinne verkümmern?

Stille vermitteln die Social-Media nur, wenn man sämtliches Bimmeln, Benachrichtigungen und Push-Nachrichten abgeschaltet hat. Ansonsten verlieren wir mehr und mehr unsere Fähigkeit zur Fokussierung. Wir werden abgelenkt und in unserer Arbeit gestört. Bei persönlichen Treffen kann allein die sichtbare Präsenz des Smartphones den Fokus von den anwesenden Freunden oder Geschäftspartner ablenken und einen Sog in die Welt der virtuellen Beziehungen ausüben.

Die vielen unterschiedlichen Social-Media-Kanäle zerfleddern Gespräche, die vielleicht in nur einem Kanal viel intensiver verlaufen würden. Manchmal weiß man vor lauter Social-Media-Wald gar nicht mehr, an welchem Baum sich Freunde oder Kunden tatsächlich gerade treffen.

Ein Diskurs mit offenem Ende bzgl. des Ergebnisses findet nur noch selten auf Social-Media-Plattformen statt: Jemand hat Recht oder nicht, es ist schwarz oder weiß, gut oder böse, Kompromisse auf Social-Media-Plattformen zu erwirken erscheint nicht mehr möglich.

Mein Fazit

Einige Aspekte der dummen und nicht vorhergesehen Seite von Social Media können wir durch unser eigenen Verhalten beeinflussen: bewusste Nutzung von Smartphone und Plattformen, Einschalten des gesunden Menschenverstandes bei der Kommunikation – bei realen Begegnungen sowie bei der Pflege von virtuellen Kontakten.

Welche dumme, nicht vorhergesehene Seite von Social Media fällt Ihnen ein?

PS: Dies ist Beitrag 15 der 30-Tage-Challenge für den #10MinBlog.

PPS (7.9.2018): Die #10minBlog-Challenge ist erkenntnisreich zu Ende gegangen.

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