Digitale Ethik in Unternehmen

Veröffentlicht am 17.08.2018 von Manuela Seubert

Gestern war ich beim 17. Hessischen Unternehmerinnentag, der unter dem Motto “Werteorientiert digital unterwegs” stand. Die Veranstaltung, bei der ich zum ersten Mal teilnahm, empfand ich bis auf meinen Aufreger als motivierend mit guten Beispielen für weibliches Unternehmertum. Nur das Motto hätte ich geändert in " Werteorientiert d Digital unterwegs ".
Die Werteorientierung fiel – fast – unter den Tisch.

Lediglich zu Beginn hielt Prof. Dr. Petra Grimm einen Impulsvortrag, der das Thema Werteorientierung aufgriff. Sie stellte 10 ethische Leitlinien für die Digitalisierung von Unternehmen vor.
Darin steht: “Es ist Aufgabe von Unternehmen, diese (Anm.: Ängste, Sorgen) ernst zu nehmen … Dabei soll der technische Fortschritt stets im Dienste der Menschen stehen”.

10 ethische Unternehmensleitlinien für die Digitalisierung

Professorin Grimm unterteilt die Leitlinien in die Felder Datenökologische Verantwortung, Faires & gerechtes Arbeiten 4.0, Changenrechtigkeit & Fürsorge sowie Folgenabschätzung & Nachhaltigkeit und entwickelt darunter die folgenden Leitlinien:

  1. Die Privatsphäre soll geschützt werden.
  2. Smart-Data-Ansätze sollen als Vorbild dienen.
  3. Die Sicherheit und Qualität der Daten soll gewährleistet werden.
  4. Es sollen faire und gerechte Arbeitsbedingungen gelten.
  5. Mitarbeiter sollen am Digitalisierungsprozess des Unternehmens teilhaben.
  6. Die Aus- und Weiterbildung sowie die digitalen Kompetenzen der Mitarbeiter sollen gefördert werden.
  7. Chancengerechtigkeit soll gefördert und Diskriminierung vermieden werden.
  8. Auf schutzbedürftige Personen soll besonders Rücksicht genommen werden.
  9. Künstliche Intelligenz soll werteorientiert gestaltet werden.
  10. Die Digitalisierung soll dazu dienen, natürliche Ressourchen zu schonen.

Diese Leitlinien wurden unter der Führung von Prof. Grimm von Masterstudierenden in einem Projekt am Institut für Digitale Ethik in Stuttgart erarbeitet. Diese Aufzählung ist die Kurzfassung. Jede Leitlinie erhält noch eine ausführlichere Beschreibung.

Meine Gedanken

Die 10 Minuten zum Schreiben sind bereits überschritten (s. u. das “PS”), daher nur in Stichworten meine Gedanken dazu:

  • In ihrem Impulsvortrag konnte die Professorin die Leitlinien nur im Druckbetankungsformat vorstellen.
  • Trotzdem wurde mir klar, dass ich derart konkret von einer digitalen Ethik für Unternehmen noch nie gehört oder gelesen habe.
  • Leider hatten die Veranstalter nicht vorgesehen, dass im Anschluss an diesen Impulsvortrag darüber auch im Plenum diskutiert werden konnte.
  • Im Laufe des weiteren Hess. Unternehmerinnentages wurde auf werteorientierte Digitalisierung nicht eingegangen.
  • Heute Morgen habe ich mir diese Leitlinien genauer angesehen: Weniges wurde durch die DSGVO bereits für die Unternehmen verpflichtend (z. B. Privacy by Design und Privacy by Default); Leitlinie 4, 7 und 8 (s. o.) hören sich zunächst nicht nach einem Digitalisierungsthema an – erst die Erläuterungen machen den digitalen Bezug klar.
  • Leitlinie 7 (und die genauere Erläuterung) halte ich persönlich für profitorientierte Unternehmen, die zukünftig digital-affine Mitarbeiter brauchen, für am schwersten umzusetzen.

Mein Fazit

Sehen Sie diese 10 Leitlinien als Wegweiser an, wie Sie als Unternehmer oder Kommunikationsverantwortlicher der Digitalisierung und ihrer Bedeutung für Mitarbeiter, unternehmerisches Handeln und Nachhaltigkeit begegnen können.

Dieser Wegweiser kann Ihnen meines Erachtens gut als Diskussionsgrundlage zur Beantwortung der folgenden Frage dienen:
Decken unsere formulierten Unternehmenswerte die mit dem digitalen Wandel einhergehenden Fragen und Unsicherheiten unserer Stakeholder bereits ab?

PS: Dies ist Beitrag 10 der 30-Tage-Challenge für den #10MinBlog.

PPS (7.9.2018): Die #10minBlog-Challenge ist erkenntnisreich zu Ende gegangen.

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