Weihnachtspost an Kunden: Bitte nicht wie alle Jahre!

Weihnachtspost an Kunden: Bitte nicht wie alle Jahre!

Die vielen Plätzchen, Lebkuchen und Artikel für die Weihnachtsdekoration sind im Oktober nicht mehr zu übersehen. Manch ein Unternehmer denkt spätestens jetzt mit Schrecken an die zu bewältigenden, geschäftlichen Weihnachtsgrüße – ich auch … als Empfängerin derselben.
Bitte schreiben Sie die Weihnachtspost an Ihre Kunden nicht wie “alle Jahre wieder”!

Letztes Jahr ist mir der Kragen geplatzt: Ich habe meine Weihnachtspost-Erfahrungen in meinem Newsletter 12/2015 niedergeschrieben; inkl. ein paar Tipps für eine gelungenere Kontaktaufnahme.


 

Mein Newsletter vom Dezember 2015 zur Weihnachtspost

(leicht abgeändert) – sicherlich noch aktuell für 2016, 2017, 2018 …

Liebe Newsletter-Leser,

nie hätte ich gedacht, dass ich am 27.12.2015 bereits einen Wunsch für die Weihnachts- und Adventszeit 2016 formuliere.

Mein Wunsch für 2016:
Es mögen sich Unternehmer und Organisationen gut überlegen, ob sie ihre eigenen Weihnachtswünsche und angeblichen Weihnachtsgeschenke – wahlweise “gratis” oder “persönlich” – wirklich selbst erhalten wollen.

Ist dieser kommunikative Dezember-Grußaktionismus für viele nur ein lästiges Übel, das jeden gesunden Menschenverstand ausschaltet? Oder ist er ein durchdachter Baustein der Unternehmenskommunikation?

Es gab Grüße, über die ich mich von ganzem Herzen gefreut habe. Doch diese wurden dieses Jahr leider von extrem schlechten Beispielen übertrumpft.

 

♫ ♪ Alle Jahre wieder … ♫♪♫

… kommt das gleiche, geschäftliche Weihnachtsgeschwätz per Newsletter, Briefpost oder E-Mail in meine Postfächer gerauscht.

Ja, bewusst habe ich dieses negative Wort “Geschwätz” verwendet. Leider wird es gefühlt in jedem Jahr mehr Geschwätz!

Mein diesjähriger Albtraum an Weihnachtsgrüßen:

  • Zweimal die gleiche (!) Adventskarte per Post; beim 2. Mal war lediglich ein weiterer Mitarbeiter mit seiner Unterschrift aufgedruckt (!).
  • Karten mit Standardtext und drei unleserlichen Unterschriften (nicht separat in Druckschrift).
  • Massenabfertigung per E-Mail, – sei es mit Sonderangeboten, hippen Adventskalendern oder “persönlichen” Ansprachen à la “Liebe Manuela Seubert” (mit dem Absender bin ich per “Du”).
  • Gratis-Geschenke, die am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag in mein elektronisches Postfach trudelten:
    – Kostenfreie Fotos, die ich für meine Facebook-Fanseite (ich habe keine!) nutzen konnte; versehen mit dem Branding des Absenders (nicht meinem!), einem Social-Media-Berater (kein Kommentar mehr).
    – “Mein persönliches Geschenk” eines längst vergessenen Kontaktes entpuppte sich als Werbung für eine kostenfreie Veranstaltung eines Drittanbieters.

Vor allem die letzten beiden “Geschenke” veranlassten mich, den Weihnachtsaktionismus aus kommunikativer Sicht zu betrachten.

 

1. Schlüsselfrage für wirkungsvolle Weihnachtspost

Wenn Sie wirklich im Dezember Ihren geschäftlichen Kontakten einen Weihnachtsgruß senden, dann fragen Sie sich bitte:

“Würde ich mich selbst über die von mir derzeit geplante Kontaktaufnahme freuen, – RICHTIG freuen?”

Mich haben die ersten der oben genannten Beispiele erst nur den Kopf schütteln lassen. Die sogenannten Geschenke haben mich wütend gemacht. Sie führten zur Löschung von beiden Kontakten.

Denken manche Weihnachtspost-Schreiber, dass sich ihr Kontakt “für dumm einkaufen” lässt? Was hat diese Art der Kontaktaufnahme mit einer wertschätzenden Kommunikation zwischen Geschäftspartnern zu tun?

 

2. Schlüsselfrage für wirkungsvolle Weihnachtspost

Ihre weihnachtliche Grußbotschaft wird beim Empfänger nicht die einzige sein.

“Wird die derzeit von mir geplante Weihnachtsbotschaft bewusst wahrgenommen?
Oder geht sie bestenfalls im Rauschen der unpersönlichen Massengrüße unter und verärgert sogar die Empfänger?”

Manchmal benötigt es nur kleine Dinge, die Ihre Weihnachtsbotschaft einzigartig und im wahrsten Sinne “bemerkenswert” macht.

 

Weihnachtsgrüße mal anders!

Denken Sie um die Ecke. Oder beschreiten Sie mutig einen anderen Weg.

Wie anders und mutig dieser Weg sein kann, hängt sicherlich davon ab,

  • wie viele Empfänger Sie für Ihren Jahresgruß haben,
  • in welcher Branche Sie tätig sind und 
  • wie viele Kollegen bei Ihren üblichen Grußaktionen unterschreiben.

Lassen Sie sich von meinen Fragen/Tipps bei Ihrer Planung anregen:

  1. Muss es im Advent/kurz vor Weihnachten sein? Gäbe es einen Anlass im Frühjahr oder im Herbst, der besser zu Ihrer Geschäftsbeziehung passt?
  2. Gibt es Geschäftspartner, deren Geschäftsjahr nicht mit dem Kalenderjahr zusammenfällt? Dann senden Sie z. B. zum Geschäftsjahreswechsel eine Samentüte, damit in den kommenden 12 Monaten gemeinsame Projekte sinnbildlich Früchte tragen.
  3. Wenn Sie die besinnliche Jahreszeit für Ihre Grüße vorziehen: Verschicken Sie Ihre Grüße zum 1. Advent, eventuell sogar mit einer altmodischen “Bildchen-Adventskalender-Karte”. Wer zuerst kommt, wird (noch) wahrgenommen. Aber bitte nicht die Wochen davor: Es gibt in unserem Land tatsächlich noch christlich orientierte Menschen, die Adventsgrüße zum Totensonntag oder Buß- und Bettag überhaupt nicht schätzen.
  4. Etablieren Sie die Pflicht zur leserlichen Unterschrift. Manche Empfänger bedanken sich gerne für schöne, gelungene Weihnachtskarten persönlich!
  5. Warum nicht – statt Weihnachtspost zu schreiben – unternehmensweit zum Telefon greifen? Jeder telefoniert z. B. mit drei strategisch wichtigen Partnern für 10 Minuten und bedankt sich für die Zusammenarbeit. Dabei kann u. U. darauf hingewiesen werden, dass die gesparten Kosten für die Weihnachtspost einer wohltätigen Organisation gespendet wurde. Telefonieren Sie nicht nicht in der letzten Woche vor Weihnachten, wenn alle im Stress des Jahresendspurts oder bereits im Urlaub sind; lieber rund um den 1. Advent.
  6. Sie haben eine vorgefertigte Unternehmens-Grußkarte, auf der mehrere Kollegen bei einem Empfänger per Hand unterschreiben: Zumindest sollte der Kollege mit dem engsten Kontakt zum Empfänger ein paar individuelle Zeilen hinzufügen.
  7. Gestalten Sie Ihre eigenen Unternehmensbriefmarken; diesen Service bietet die gelbe Post an.
  8. Sollte der Kreis Ihrer strategischen Geschäftspartner und Kunden klein sein, erkennt der Empfänger die wertschätzende Geste, die in einem handschriftlichen Weihnachtsgruß mit per Hand geschriebenem Umschlag und Sonderbriefmarke liegt.
  9. Können Sie sich vorstellen, Mitte Januar einen Gruß mit den besten Wünschen für Erfolg im neuen Jahr zu senden? Statt im Berg des Weihnachtseinerleis unterzugehen, stechen Sie mit fröhlichen oder lustigen Kartenmotiven zum Jahresbeginn hervor.
  10. (Aktualisierung 4.11.2019:) In der internationalen Zusammenarbeit sind bei den Weihnachtsgrüßen weitere Besonderheiten zu beachten, wenn Sie mit Ihrer ausschließlich deutschen Brille Ihre Post verfassen. Lesenswert dazu: Es weihnachtet! Auch in Ihrer internationalen Kommunikation? von Eurolanguage.

 

Ein wichtiger Tipp für Ihre Weihnachtspost zum Schluss

Vergessen Sie NIE, NIE, NIE bei der Weihnachtspost:

Weihnachtsgrüße sind Weihnachtsgrüße und bleiben Weihnachtsgrüße!

Keine zusätzlichen Angebote, keine Pseudo-Geschenke, keine Rabatthinweise, keine “Bitte-mit-beliebigen-Werbemaßnahmen-ergänzen” …


Soweit mein Newsletter: 

Einige meiner oben genannten Vorschläge benötigen v. a. bei Firmen mit vielen Mitarbeitern und vielen Außenkontakten eine längere Vorbereitungs- und Planungsphase. Doch Ihr guter Eindruck zum Fest der Liebe zeigt dann vermutlich mehr Wirkung und bleibt im Gedächtnis hängen.

 

Woanders gelesen: Ideen für Ihre Weihnachtswünsche 

Wer weiß, vielleicht überrascht mich die Qualität der Advents- und Weihnachtsgrüße dieses Jahr ausnahmsweise – ich gebe die Hoffnung nicht auf!

 

Welchen Ideen haben Sie bei den Jahresgrüßen umgesetzt? Ich freue mich auf Ihre Ideen im Kommentarfeld!

Ihre Manuela Seubert 

Foto: © Manuela Seubert

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