Korrekturlesen: 8 Tipps, um Fehler in Ihren Texten zu finden

Veröffentlicht am 10.07.2016 von Manuela Seubert

Textpruefung-FehlerIst das passiert? Ist das wirklich MIR passiert?

Ich bin zwar keine gelernte Schlussredakteurin, Lektorin oder Korrektorin, aber ich bin im Korrekturlesen jahrzehntelang geübt.

Trotzdem hat es mich kürzlich “dabräselt” – wie der Bayer sagen würde. Ich habe meinen Newsletter mit Rechtschreibfehler und ein Anschreiben an Unternehmen mit einem dicken Grammatikfehler rausgeschickt. Wie blöd ist das denn!

Die Erleichterung vorweg: Mittlerweile lesen viele Menschen Texte nur noch flüchtig; das heißt, viele Fehler bei der deutschen Rechtschreibung und Grammatik werden gar nicht entdeckt.
Und: Errare humanum est – Irren ist menschlich!
Das tröstete mich ein wenig.

Damit Ihnen immer häufiger beim Korrekturlesen Ihrer Texte Rechtschreib- und Grammatikfehler auffallen, verrate ich Ihnen meine Tricks bei der Textprüfung.
Und am Schluss, warum mir die Fehler trotzdem passiert sind.

Warum fallen uns Textfehler nicht auf?

Für Flyer, Anschreiben, Newsletter, Blogbeiträge oder einfach nur eine E-Mail an einen Kunden wählen wir unsere Worte sorgsam. Wort für Wort, Satz für Satz setzen wir unsere Botschaft und Information zusammen. Diesen Text überprüfen wir teils mehrfach, stellen ihn gegebenenfalls um und wägen ab, ob sich das, was wir sagen wollen, im Geschriebenen wiederfindet.

Jetzt kommt der Haken. Der Text ist uns somit in Fleisch und Blut übergegangen – wir sind blind für unsere eigenen Fehler.
Denn unser Gehirn spielt uns einen Streich. Den Artikel Der Trick mit dem Buchstabensalat kann ich Ihnen dazu nur empfehlen.
Er endet mit dem Satz: … je geübter ein Schreiber im Lesen ist, desto häufiger wird er eigene Fehler übersehen. Willkommen im Club ;-)!

Lesen Sie im Folgenden, wie Sie zukünftig wieder mit mehr Distanz auf Ihren Text blicken.

8 Tipps, um Textfehler zu vermeiden

“Wer suchet, der findet”, heißt es in der Bibel. Mit den folgenden Hinweisen finden Sie einen Großteil Ihrer Fehler selbst.

  1. Spracheinstellung der Software
    Deutsch wird u. a. noch in der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Liechtenstein gesprochen. Die Schriftsprache in diesen Ländern unterscheidet sich. Stellen Sie daher in Ihrer Software die korrekte Sprache ein.
    In der z. B. von mir verwendeten Textverarbeitung Microsoft Word 2010 machen Sie dies folgendermaßen: Reiter “Überprüfen” ► Sprache ► Sprache für die Korrekturhilfen festlegen ► entsprechende Sprache suchen. Bei mir habe ich “Deutsch (Deutschland)” eingestellt.
  2. Nach dem Erstentwurf: Lesen Sie am Bildschirm Korrektur
    Lesen Sie Wort für Wort und Satz für Satz aufmerksam durch. Wenn Sie es sich vorstellen können: Lesen Sie den Text nicht nur, sondern versuchen Sie ihn zu hören – obwohl Sie nicht laut sprechen.
    Zusätzlich: Durch die zuvor erwähnte Spracheinstellung Ihrer Software werden Ihnen bereits erste Fehler angezeigt, z. B. bei Word durch rote und grüne Schlangenlinien unter den zu korrigierenden Textstellen. Rufen Sie die Rechtschreib- und Grammatikprüfung Ihrer Software auf, wenn Sie selbst nicht wissen, was an diesen Markierungen falsch ist.
    Achtung: Wiegen Sie sich durch diese Textprüfung nicht in allzu großer Sicherheit – alle Fehler findet Ihr Softwareprogramm nicht.
  3. Machen Sie mal ’ne Pause!
    Nach dem Erstentwurf und der ersten Korrektur am Bildschirm brauchen Sie dringend eine Pause, in der sich Ihre Gedanken vom Text und dem Inhalt lösen. Lassen Sie den Text über Nacht liegen. Sollte die Über-Nacht-Variante nicht möglich sein, legen Sie zumindest eine Kaffee- oder Mittagspause ein. So bewegen Sie sich zwischenzeitlich, entwöhnen die Augen vom Bildschirm und sehen den Text nach Ihrer Rückkehr an den Schreibtisch neu.
  4. Der gute, alte Ausdruck
    Papierloses Büro hin oder her – das Ausdrucken eines Textes ist durch den Medienwechsel vom Bildschirm zum Papier eine wichtige Korrekturschleife. Am Bildschirm sind unsere Augen sehr angespannt. Wir übersehen dadurch Fehler in Rechtschreibung, Grammatik, Satzbau und Zeichensetzung.
    Wählen Sie für einen Ausdruck temporär eine andere Schriftart und eine andere Schriftgröße im Vergleich zu Ihrem Originaltext – das ist eine zusätzliche, sinnvolle Verfremdung. Sie schlagen Ihrem Gehirn ein Schnippchen und lesen den Text wie neu.
    Verwenden Sie bei der Korrektur grundsätzlich eine andere Stiftfarbe als die ausgedruckte Schrift. Wer schwarz ausdruckt, sollte seine Korrekturen in Rot oder Grün vornehmen.
  5. Text laut vorlesen
    Ich weiß: Das ist v. a. nicht möglich, wenn Sie mit mehreren Kollegen in einem Büro oder gar in einem Großraumbüro arbeiten. Doch Sie werden einen Weg finden: leises Murmeln, leerer Konferenzraum, Treppenhaus, Flur u. ä.
    Durch das laute Vorlesen werden Sie vor allem einen holperigen Satzbau und grammatikalische Ungereimtheiten aufdecken. Jetzt korrigieren Ihre Ohren mit.
  6. Immer der gleiche Fehler – separat korrigieren
    Machen Sie in Ihrer Schriftsprache häufig einen bestimmten Fehler?
    Wenn ja: Denken Sie bei jeder Textprüfung daran oder – noch besser – machen Sie eine Korrekturschleife nur für diesen Fehler.
  7. Vier Augen sehen mehr als zwei
    Scheuen Sie sich nicht, andere beim Aufspüren von Textfehlern um Hilfe zu bitten. Es wird Ihren Texten gut tun. Kollegen aus der eigenen Abteilung eignen sich für Sprachkorrekturen und besonders für inhaltliche Verbesserungen. Benötigen Sie nur einen zweiten Mann beim Kampf gegen den Fehlerteufel, sollte die Korrektur ein Fachfremder machen, der Ihren Text nicht inhaltlich überprüfen kann. Diese Person wird den Schwerpunkt auf korrekte Worte, stolperfreien Satzbau und sinnvollen Aufbau legen und damit wertvolle Hinweise abseits des Inhaltes liefern.
  8. Rückwärts lesen
    Der Vorteil beim wortweisen Rückwärtslesen ist: Jedes Wort wird vom Auge einzeln wahrgenommen und vom Gehirn kontextunabhängig überprüft.
    Der Nachteil dieser Korrekturmethode: Sie ist bei langen Texten nicht machbar. Dort könnten Sie es mit Rückwärtslesen je Satz versuchen.
    Ich bin ehrlich: Ich empfinde diese Methode als anstrengend und nervtötend; sie verleidet mir die Freude am Texten. Daher wende ich sie nicht an. Für Sie wollte ich das Rückwärtslesen der Vollständigkeit halber auflisten.

Welcher Tipp zum Korrekturlesen ist für Sie geeignet?

„Buh, das sind aber viele Tipps zum Korrekturlesen. Soll ich die wirklich alle bei jedem Text anwenden?“, werden Sie sich vielleicht fragen. Nein, das geht gar nicht – allein aufgrund der mangelnden Zeit in unserem Alltag.

Wählen Sie diejenigen Tipps aus, die Ihnen

  • spontan gefallen,
  • in Ihren Arbeitsablauf passen und
  • der Wichtigkeit des Textes angemessen sind.

Haben Sie bisher noch nie systematisch Korrektur gelesen, dann überlegen Sie sich einen geeigneten Prozess. Dieser kann sich von Textart zu Textart unterscheiden.

Wie suche ich Fehler in meinen Texten?

Zur Verdeutlichung greife ich drei Textbeispiele heraus: E-Mail, Newsletter, Anschreiben.

E-Mails: Bei kurzen E-Mails lese ich nur einmal am Bildschirm Korrektur. Ist mir die E-Mail besonders wichtig, mache ich eine kurze Pause und korrigiere anschließend. Manchmal lese ich mir die Zeilen zusätzlich laut vor.

Newsletter: Meinen Text schreibe ich direkt im Editor meines Newsletterprogramms. Anschließend erfolgt die erste Korrektur am Bildschirm. Danach drucke ich ihn aus, mache Korrekturen auf Papier und füge diese – nach einer Pause – im System wieder ein. Jetzt wird der Text über Nacht zur Seite gelegt. Am nächsten Tag lese ich ihn mir laut vor, um die letzten Korrekturen vorzunehmen.

Wichtige Texte wie Schreiben an Kunden: Sie können sich sicherlich vorstellen, dass hier fast alle oben genannten Korrekturformen bei mir zum Einsatz kommen – und das teils mehrfach. Wichtig: Lassen Sie zumindest noch eine weitere Person über das Geschriebene lesen.

Mein Fazit

Wenn Sie die Tipps anwenden und künftig immer noch Feedback erhalten, dass Ihre Texte Fehler enthalten, dann denken Sie zumindest für Ihre wichtigsten Texte über ein bezahltes Korrektorat nach.

Oben habe ich Ihnen versprochen aufzuklären, warum mir die Fehler trotzdem nicht aufgefallen sind:

  • Beim Kundenanschreiben hatte ich eine kleine Korrektur vorgenommen … und nicht erneut mit der Textprüfung begonnen, weil der Text ja schon zig Korrekturschleifen durchlaufen hatte und ich dachte, die Veränderung sei marginal – was es leider nicht war. Das neue Verb benötigte für das Objekt einen anderen Casus.
  • Vor dem Newsletterversand dachte ich mir, ich könne mir einmal den Ausdruck sparen. Falsch gedacht!

Was habe ich daraus gelernt?

Ändere nie, Nie, NIE deine einmal festgelegten, bewährten Prozeduren bei der Textüberprüfung!

Wie korrigieren Sie Ihre Texte? Haben Sie noch einen Korrekturtipp, den ich ausprobieren sollte? Ich freue mich, wenn Sie mir Ihre Erfahrung mit Textkorrekturen im Kommentarfeld hinterlassen.

Diese Beiträge könnten Sie außerdem interessieren:

Kommentare anzeigen

Informationen zum Datenschutz beim Anzeigen von Kommentaren.