Social Media als nahezu kostenlose Präsentation im Web?

Veröffentlicht am 13.03.2014 von Manuela Seubert

Hatte ich gerade richtig gelesen? In meiner Tageszeitung stand vor ein paar Tagen in einer kurzen Ankündigung zu einer Veranstaltung: “Facebook, Google+, Twitter und Co. bieten kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) die Chance sich im sozialen Web nahezu kostenlos zu präsentieren”. Kopfschüttelnd setzte ich die Morgenlektüre fort. Doch diese Aussage ließ mich nicht mehr los.

"Social Media-Eier"

Social Media – die Eier legende Wollmilchsau

Schnell ein bisschen Facebook, kurz ein paar Tweets, etwas Expertise in Xing zeigen und schon läuft der Laden rund: Bekanntheit steigern, Kunden gewinnen und binden, Image pflegen oder neue Mitarbeiter gewinnen. O.k., die Versprechen im oben genannten Veranstaltungstipp sind im Konjunktiv formuliert! “Sie könnten so …”

Trotzdem, meines Erachtens nach werden damit – immer noch – KMU angelockt und die schnelle Lösung für (fast alle) Probleme angedeutet. Und das macht mich wütend! Solche kostenfreie und Umsatz generierende Social-Media-Bilder im Kopf führen zur Enttäuschung über Facebook, Twitter und Co. bei Freiberuflern, Solounternehmern und KMU in Handwerk, Industrie und Gewerbe.

Im Folgenden ist es im Beratungsalltag schwer, entstandene Enttäuschungen und Vorurteile wie “Social Media ist der Sandkasten für Nerds” oder “Social Media bringt nichts” auszuräumen.

Nahezu kostenlose Präsentation im Web – stimmt das?

Zunächst ja. Wenn Sie sich ein Profil bei einem Social-Media-Anbieter einrichten, zahlen Sie (meistens) keine Anmeldegebühr oder monatlichen Nutzungsgebühren für diese Plattform. So weit, so gut und so kostenfrei!

Schauen wir einmal genauer hin auf diese nahezu kostenlose Präsentation.

Einstieg in Social Media: Nicht “nahezu kostenlos”!

Was bedeutet eine “nahezu kostenlose Präsentation” in Euro – 5 Euro, 10 Euro, 50 Euro, 100 Euro, 1000 Euro im Monat? Pauschal kann das niemand beziffern. Die Kosten hängen von Ihren Unternehmens- und daraus abgeleitet Ihren Kommunikationszielen ab, die in die richtige Wahl einer Plattform und der damit verbundenen Kosten für Ihr dortiges Engagement münden.

Welche Kosten gibt es? Was kommt auf Sie zu?

  • Opportunitätskosten für Ihren strategischen Einstieg in Social Media. Unterschätzen Sie nicht die Zeit, die Sie benötigen, um sich u. a. folgende Fragen zu stellen: Was sind meine Unternehmensziele? Wer ist meine Zielgruppe? Welche Kommunikationsziele habe ich? Mit welchen Kommunikationsmedien (online und offline) erreiche ich meine Zielgruppe? Welche Social-Media-Kanäle passen am besten?
  • Opportunitätskosten für die Profileinrichtung im ausgewählten Social-Media-Kanal: Anmeldung, Füllen des Profils mit allgemeinen Unternehmensinformationen, Bildern, Videos, erstes Marketing innerhalb und außerhalb der Plattform für Ihre neue Webpräsenz
  • Opportunitätskosten für die kontinuierliche, tägliche oder wöchentliche Pflege Ihres dortigen Auftritts: Beiträge entwickeln, in Wort, Bild und/oder Video erstellen, veröffentlichen und anschließend auf die Reaktionen der Fans/Follower zeitnah reagieren

Zeit ist Geld (Benjamin Franklin)

  • Schulung der Mitarbeiter, die diesen Auftritt langfristig pflegen
  • Werbung für Ihren Auftritt: zum einen auf Ihren Printmaterialien (z. B. Visitenkarte, Geschäftspapier, Flyer), zum anderen innerhalb der Plattform
  • Externe Dienstleister: Sollten Sie sich bei Ihrem Einstieg in die Welt der sozialen Medien gerne begleiten lassen wollen, fallen Honorare für Kommunikationsberater an. Gleiches gilt, wenn Sie professionelle Fotos oder Videos erstellen oder beispielsweise ein Gewinnspiel entwickeln
  • Sonstige Kosten: Sollten Sie Social Plugins auf Ihrer Website/Ihrem Blog integrieren, entstehen ggfs. Kosten bei Ihrem Webhoster

Disclaimer: Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Fazit

Nein, die sozialen Medien sind nicht “nahezu kostenlos”. Stellen Sie vor allem beim Einstieg in diese Kommunikationsmedien genügend Ressourcen in Form von “Zeit” zur Verfügung.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin der Meinung, dass (fast) jeder Freiberufler und jedes KMU unter Berücksichtigung seiner individuellen Rahmenbedingung zumindest einen Social-Media-Kanal bedienen sollte und kann.
Eine Social-Media-Präsenz unterstützt Ihre hoffentlich aktuelle und optimierte Website. Ihr Social-Media-Auftritt gehört im Zeitalter von mobilen Endgeräten und in Anbetracht des Suchverhaltens von Kunden zur besseren Auffindbarkeit im Internet dazu. Sie ist so selbstverständlich wie die Nutzung von Telefon und E-Mail bei Ihrer geschäftlichen Kommunikation.

Übrigens …

Die eingangs erwähnte Veranstaltung, eine Einführung in die sozialen Medien, habe ich mir auf der Website des Veranstalters genauer angesehen. In der Detailbeschreibung findet sich keine Angabe zum Thema “nahezu kostenlos”. Vielleicht war das lediglich ein Übermittlungsfehler zwischen Veranstalter und Redaktion der Zeitung.

Kennen Sie weitere Kosten, die bei einem Social-Media-Engagement zu berücksichtigen wären?

Quellen

Was kostet Social Media Marketing?
Foto: © Bettina Schöbitz

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