Wann wird ein Absatz in einem Text gemacht?

Veröffentlicht am 18.09.2017 von Manuela Seubert

Absätze in Texten gliedern einen Fließtext

Manchmal sind Aussagen von Seminarteilnehmern verblüffend und erschreckend zugleich. So erging es mir in einer meiner “Klartext”-Schulungen, als ich über Textabsätze sprach und einer meiner Teilnehmer diese Äußerung machte:

“Meine Absätze in einem Text gestalte ich nach Optik; sie sind immer ungefähr gleich lang.”

Himmel!

Keine Absätze – keine Statik für Ihren Text

Absätze nach “frei Schnauze” oder nach Ästhetik lassen Ihr Textwerk nicht wie ein stolzes Bauwerk dastehen – solch ein Text stürzt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Ein Absatz erfüllt eine ganz bestimmte Mission.

Wie ist ein Absatz in einem Text definiert? Als Absätze bezeichnen wir in einem fortlaufenden Text die Abschnitte, die aus einem oder mehreren Sätzen bestehen. Diese Sätze in einem Absatz behandeln ein eigenes kleines Thema des Gesamtinhaltes und hängen daher idealerweise inhaltlich sinnvoll zusammen.

Welche Vorteile hat ein Absatz?

Wenn Sie Absätze in Ihrem Text richtig setzen, machen Sie es Ihrem Leser beim Erfassen Ihres Schriftstückes generell einfacher. Denn Sie bieten ihm mit mit gut gemachten Absätzen einige Vorteile:

  • Ein langer Fließtext ist schwer zu lesen: Wird er in Absätze aufgeteilt, ermüdet der Leser nicht.
  • Durch Absätze kann der Leser den Inhalt besser verstehen.
  • Ein Absatz legt eine Idee oder ein Argument dar.
  • Absätze leiten den Leser durch die Argumentation.
  • Der Leser kann vor einem neuen Absatz gedanklich “pausieren”.

Wie baue ich einen Absatz richtig auf?

Einen Absatz bauen Sie in Abhängigkeit von Stil und Thema des Gesamttextes auf.

Beispiele:

  • Wollen Sie den Leser von Ihrer Idee überzeugen? Dann packen Sie in den ersten Satz Ihre Hauptaussage und untermauern Ihre These in den folgenden Sätzen.
  • Alternativ können Sie in einem Absatz einen Spannungsbogen aufbauen – leicht beginnen und mit einem Paukenschlag enden.
  • Schildern Sie in einem Absatz ein Geschehen? Dann bietet sich eine chronologische Schilderung an.

Ihr Absatz endet, wenn Sie z. B. eine neue Idee präsentieren oder ein Gegenargument bringen.

In Ihrem Text können Sie einen Absatz mit einer wichtigen Argumentation länger gestalten. Absätze mit weniger großer Bedeutung schreiben Sie höchstens gleich lang, nie länger.

Welche Sätze enthält ein Absatz?

Die meisten von meinen Lesern werden Sach- oder Gebrauchstexte schreiben. Damit enthalten unsere Textabschnitte höchstwahrscheinlich neue Ideen oder Argumente zu einer bestimmten Position.

Dafür benötigen Sie:

  1. Einleitungssatz
    Bringen Sie kurz und knackig Ihr Hauptargument vor; keine Plattitüde wie z. B. “Das Internet geht nicht mehr weg”.
  2. Unterstützende/r Satz/Sätze
    In den folgenden bis zu 5 Sätzen bauen Sie logisch Ihre Beweisführung auf und unterstützen damit Ihre Behauptung im Einleitungssatz.
  3. Schlusssatz
    Darin fassen Sie Ihre Idee/Ihr Argument zusammen. Vermeiden Sie das Wiederholen des Einleitungssatzes.

Persönliche Anmerkung zu Absätzen in Webtexten

Lesen Sie viele Blogartikel? Dann gewinnen Sie vielleicht wie ich den Eindruck, dass Absätze in Webtexten nur noch aus einem Satz bestehen.

Ja, ein Absatz kann aus nur einem Satz bestehen! Einen solchen (Ab-)Satz setzten Sie als Stilmittel ein; es hebt eine Aussage hervor, lässt den Leser stutzig werden und darüber nachdenken.

Doch permanent?

Sicherlich: Bei Webtexten sollten die Absätze kürzer sein. Da das Lesen am Bildschirm und vor allen an den mobilen Geräten anstrengend ist, haben es Leser mit kurzen Absätzen leichter.

Ich jedoch werde ungeduldig, wenn ich nur noch Absätze mit einem oder maximal zwei Sätzen sehe. Wie schätzt eigentlich der Autor meine Auffassungsgabe ein? Außerdem werde ich durch ausgedehntes Scrollen z. B. am Smartphone müde.

Mich haben Sie mit einer solchen Absatzgestaltung als Leser Ihres Webtextes sehr schnell verloren.

Wie geht es Ihnen bei der Gestaltung von Textabschnitten – online und offline? Lesen Sie gern Webtexten mit Absätzen, die nur aus max. 2 Sätzen bestehen?

Foto: Manuela Seubert

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