Digitalrat: Merkel sucht Unbequeme

Veröffentlicht am 19.08.2018 von Manuela Seubert

Gestern machte Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Videobotschaft bekannt, dass die Bundesregierung einen Digitalrat einberufe, um die Digitalisierung in Deutschland voranzubringen. In diesem Gremium sollen 10 externe Experten sitzen, die “unbequeme” Fragen stellen sollen.

Ich frage mich jetzt nicht, warum wir erst in 2018 (!) und nicht seit spätestens zur Zeit ihres bekannten “Neuland”-Ausspruches diesen Digitalrat erhalten.
Ich frage mich: Wer soll in diesem Digitalrat sitzen?

In seinem Twitteraccount schreibt Regierungssprecher Steffen Seibert: “Das Bundeskabinett wird die Mitglieder des Digitalrats in seiner Sitzung am Mittwoch berufen.”

Aha! Aha?

Meine Vorschläge für den Digitalrat

Mir wird ein wenig komisch im Magen. Fallen dort wirklich Namen, die unbequem, nah an der Digitalpraxis und digital-affin sind? Oder kommen diese Menschen eher wieder aus dem Kreise der Lobbyisten und dem Dunstkreis der häufig von der Politik herangezogenen Unternehmen.

Wie dem auch sei – bis Mittwoch könnte die Netzgemeinde zeigen, wen sie gern im Gremium hätte und ein paar Namen nennen.

Ein kleiner Disclaimer vorab: Die meister der von mir genannten Personen kennen mich persönlich nicht, lediglich mit einer Person habe ich einmal einen Kaffee getrunken, eine andere Person kennt mich etwas näher.
Die Liste spiegelt meine eigene Filterbubble wider und ist spontan entstanden – unter dem Blickwinkel von “unbequem-konstruktiv, internet-affin und mit Frauen besetzt”.

Meine Digitalräte (in alphabetischer Reihenfolge):

  1. Marcus Ewald, Vorsitzender des politischen Beirats des Blockchain Bundesverbandes und deutscher Meister im Debattieren
  2. Prof. Dr. Petra Grimm vom Institut Digitale Ethik oder eine Person aus dem Kreise der Masterstudierenden, die die 10 ethische Leitlinien für die Digitalisierung von Unternehmen erstellt haben.
  3. Tanja Haeusler, Mitbegründerin der re-publica, Mit-Autorin des Buches “Netzgemüse” und Initiatorin der Tincon
  4. Constanze Kurz von Netzpolitik.org
  5. Sascha Lobo, der zu den Initiatoren der Charta der Digitalen Grundrechte der EU gehört
  6. Sina Trinkwalder, Unternehmerin, die die Klaviatur von Social Media kompetent spielt und sozial-ökologisch-nachhaltig handelt
  7. Jan Westerbarkey, Unternehmer, schreibt zu New Work

Folgende Bereiche sollten ebenfalls in meinem Digitalrat vertreten sein. Allerdings kann ich hier spontan keine konkrete Namen nennen:

  1. Jemanden, der zu KI (Künstliche Intelligenz) forscht und realistisch einschätzen kann, wie schnell welche Szenarien tatsächlich eintreten.
  2. Jemanden, der Verständnis und Erfahrung hat, wie Digitalisierung, Mensch-Maschine-Kommunikation, KI u. a. in den Schlüsselbranchen der Wirtschaft mit welchen Potentialen für Gesellschaft und Bürger umgesetzt werden können.
  3. Jemanden, der den Bildungssektor hinsichtlich Digitalisierung auf Vordermann bringt, damit unsere Kinder nicht weiter wie in den letzten 2 Jahrzehnten annähernd digitalfern in der Schule aufwachsen.

Abschließende Gedanken zum Digitalrat

Wieder ein Beratergremium? Ich meine mich zu erinnern, dass es zur Digitalisierung, Netzausbau u. ä. bereits genügend Gremien und Arbeitskreise gab.
An dieser Stelle zitiere ich jetzt nicht den bekannten Spruch zu Arbeitskreisen …

Schöner wäre ein “Digitelrat der Umsetzung” gewesen! Schließlich findet die Digitalisierung seit ca. 20 Jahren statt und Deutschland muss in die Pötte kommen und nicht immer weiter beraten.

Wen würden Sie der Bundesregierung und Kanzlerin Merkel für den Digitalrat vorschlagen?

Aktualisierung 21.8.2018: Meine PR-Kollegin Bettina Schmidt schlug mir drüben bei Facebook Chris Boos und Katharina Zweig vor. Wunderbare Vorschläge, wie ich finde; sie können gut den KI-/Algorithmus-Teil des Digitalrates abdecken.

PS: Dies ist Beitrag 12 der 30-Tage-Challenge für den #10MinBlog.

PPS (7.9.2018): Die #10minBlog-Challenge ist erkenntnisreich zu Ende gegangen.

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