2. DPRG-Zukunftsforum: Treiber oder Getriebene - Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung

Veröffentlicht am 15.06.2016 von Manuela Seubert

Logo-Westfaelische-Hochschule-Gelsenkirchen.jpg“Der Deutschen Public Relations Gesellschaft gehöre ich nicht an.” So begann mein Blogpost zum 1. DPRG-Zukunftsforum im letzten Jahr, der mit wohlwollend kritischen Anmerkungen zur Veranstaltung endete.

Ein Jahr später – es hat sich einiges geändert!

  1. Mittlerweile gehöre ich der DPRG an. Das bewegt wohl eher wenige ;-).
  2. Mit dem 2. Zukunftsforum (#zukufo) an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen am 9. und 10.6.2016 hat die DPRG einen großen Schritt getan: weg von der distanzierten Konferenz hin zum (Fast-)BarCamp mit unkompliziertem Vernetzen, lockerem Austausch und dem verbandsungewöhnlichen “Du”.

Wie im Vorjahr stelle ich Ihnen die Erkenntnisse aus den mir wichtigen Vorträgen/Sessions zur Verfügung. Die von mir gehaltene Session “Wie wird Ihr Event bei Twitter zum Trending Topic?” werde ich in einem separaten Blogpost ausführen.

Das 2. DPRG-ZukunftsForum – auf dem Weg zum BarCamp

“Treiberin oder Getriebene? Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung” – so lautete das Motto des zweiten DPRG-ZukunftsForums.

Die im Programm aufgelisteten und im Vorfeld des #zukufo angesprochenen Sessiongeber mit ihren Themen versprachen, die digitale Kommunikation aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten: Unternehmensbewertung, neue jounalistische Formate, Unternehmenskommunikation aus journalistischer Sicht, Start-up-Kommunikation, neue digitale Berufsbilder, u. v. m.

Meine Highlights des #zukufo

Von der Kunst, das Internet zu überleben

Jochen-Wegner.jpgJochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online, beeindruckte mich mit seinem stimmlich unaufdringlichen, jedoch inhaltlich gewaltigen Aussagen. Alle Thesen zur Zukunft der Medien seien falsch – auch er sei Irrtümern erlegen; u. a. dass im Internet kein Mensch mehr die “Zeit” bräuchte!

Zeit Online sei wegen vier Bausteinen erfolgreich: Journalismus, Produkt/Prozess, Community und Monetarisierung. Ihr Journalismus sei bei den Lesern so geschätzt, dass die Zeit sehr loyale Leser habe, die gern längere Berichte lesen und 50.000 Kommentare wöchentlich online hinterlassen – die alle (!) von der Redaktion gelesen werden. Mit 500 loyalen Lesern entwickelt die Zeit-Redaktion auf spielerische Art und Weise neue Produkte.

Den anwesenden Kommunikatoren gibt Jochen mit: Nach seiner Erfahrung mit der Online-Produktentwicklung kommen manche Erfolge eher vom Rumprobieren als von einer Strategie – “Durchwursteln” oder – besser ausgedrückt ;-) – “agiles Denken” sei angesagt.

Digitalisierung der Kommunikation aus journalistischer Sicht

Carsten-Knop.jpgMit Carsten Knop, Redakteur bei der F.A.Z., gab ein weiterer Journalist den PR-Teilnehmern Hinweise für eine digitale Kommunikationsarbeit in Unternehmen und Organisationen.

Selbst wenn viele Journalistenkollegen von ihm noch nicht die Ideenquellen “Facebook & Twitter” entdeckt hätten, so rät er den Anwesenden den Wert der sozialen Medien nicht zu unterschätzen.
Haben DAX-Unternehmen bei Twitter weniger als 2.000 Follower, sei etwas in der Kommunikation verschlafen worden. Ursache dafür kann sein, dass deren CEOs kaum Geschichten erzählen, die die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit bewegen. Er forderte CEOs auf, Mut zu zeigen, klar Stellung zu Themen im weiteren, nicht-börsenrelevanten Unternehmensumfeld zu beziehen.
Bei aller Social-Media-Nutzung von Kommunikatoren und Journalisten bittet er die Vertreter der PR-Zunft: “Vermeiden Sie, nicht mehr mit uns zu reden!”

Digitalisierung in der Unternehmenskommunikation – Chancen und Herausforderungen

Zu diesem Thema saßen Daniel Neuen (PRReport) als Moderator sowie Philipp Schindera (Telekom) und Alexander Wilke (ThyssenKrupp) auf dem Podium. Wichtige Aussagen:

  • Schnell agieren geht in vielen Konzernen nicht, weil das Budget weit im Voraus feststeht. Wie sollen Kommunikatoren auf Trends wie Snapchat reagieren?
  • Trotz digitaler Trends: Internetferne Mitarbeiter, z. B. in der Produktion, erreichen Kommunikatoren immer noch mit Plakaten
  • Arroganz von etablierten Kommunikatoren bremst Innovation aus
  • Jeder Mitarbeiter kann zum Markenbotschafter werden, wie z. B. Pawel Dillinger von der Telekom bei Twitter. Es stellt sich nur die Frage: Lässt die Unternehmenskultur einen Markenbotschafter wie ihn zu, von dem das Unternehmen die Social-Media-Nutzung lernen kann?

Fazit: Damit Kommunikatoren zu Treibern der Digitalisierung werden, ist der “Kulturwandel” für sie Schlüssel zum Erfolg. Die Kommunikationsabteilung hat nicht nur Verkündungs-, sondern Vernetzungsfunktion, bei der Kommunikatoren ihre Multifunktionalität beweisen können.

Der Wandel der Kommunikation – Die digitale Transformation verändert alles

Berendt-und-Spock.jpgJetzt bin ich nicht wirklich objektiv.

Denn: Wenn mir Frank Behrendt zu Beginn seiner Session einen “Spock” präsentiert mit seiner bekannten Analyse “Faszinierend”, dann hat er mich als bekennendem StarTrek-Fan schon um den Finger gewickelt ;-).

Aussagen dieses schnell sprechenden Kommunikators:

  • Print ist in 20 Jahren Genuss-, kein Newsmedium mehr
  • Im Vorstellungsgespräch fragt er Bewerber nach den Apps, die sie auf dem Smartphone haben
  • Medien verlieren Gatekeeper-Funktion
  • Menschen nutzen das Internet nicht mehr, sie leben darin!
  • Zitat Wendy Clark (Coca Cola): “Wenn deine Pläne nicht die digitale Welt beinhalten, hast du keinen Plan”
  • Begriff “PR” gehört in eine andere Zeit: “Nennen wir es Kommunikation!”
  • Wichtig, um in der Digitalisierung zum Treiber zu werden: Gewohnheiten/Regularien hinterfragen und digital neu denken.

Zum letzten Punkt führte Frank u. a. das MercedesBenz-Museum an. Es hat “Montags online geöffnet” und unterhält die digitalen Besucher mit einem coolen Nachtwächter. Schauen Sie selbst.
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Mensch, Maschine, mobil, virtuell – Szenarien unserer Kommunikation

Michael Grupes Weckruf an Kommunikatoren stelle ich an den Anfang: #embracechange. Warum? Nur wenn PR-ler der alten Schule sich der Digitalisierung öffnen, werden sie Treiber in dem sich schnell wandelnden Umfeld sein.

Die vorgestellten Beispiele von Grupe unterstrichen #embracechange anschaulich:

  1. Pizzabestellung ist über Emojis heute bereits Realität
  2. Virtuelle Roboter wecken Menschen, beraten sie in Stilfragen (Welche Krawatte zu welchem Anzug?) und begleiten sie bei beruflichen Herausforderungen
  3. Wie tickt die Zielgruppe? Design-Thinking als Ansatz zur Lösung dieser Frage verwenden
  4. Neue Berufsbilder entstehen: Data Storyteller, Data Waste Manager, Emotionalizer, Virtual Reality Architect

Erlebnisse der anderen Art an einer Bushaltestelle (im Vollbildmodus ansehen):
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Brave new world?! – Der persönliche Roboter
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Digitalisierung und Corporate Publishing

Studien-Zitat.jpgHans Jürgen Moers stellte Studienerkenntnisse zum Mediennutzungsverhalten und viele Beispiele von Printkampagnen – sympatischerweise von unterschiedlichen Agenturen – vor.

Seiner Meinung nach sollten Unternehmen mehr journalistische Formate einsetzen statt nur zu werben. In diesem Rahmen können PRler/Kommunikatoren ihr Gespür für gute Geschichten ausleben; alles Weitere ist nur Technologie.

Ein Beispiel ist RedBull: “Was soll die Firma auch erzählen über Wasser, Zucker und ein paar Kräuter?”. Daher gibt RedBull den Menschen, was sie wollen – nämlich Geschichten von den Dingen, die sie interessieren. Sie fließen u. a. ein in das RedBull-Magazin “Bergwelten”, das wie ein journalistisches Produkt aussieht, letztlich aber Werbung ist.

Bitcoin, Block Chain, Etherium

Drei mehr oder weniger unbekannte Worte; daher bin ich in die Session von T. Rössing und M. Ewald gegangen.

Mein Fazit: Ich weiß, dass ich nichts weiß – von dieser Kryptowährung Bitcoin mit der dahinter liegenden Technologie Block Chain und der Weiterentwicklung ins Etherium.

Abgespact … und dringender Weiterlesebedarf identifiziert, um diese digitale Währung und eine mögliche Zukunft ohne Banken besser zu verstehen.

#zukufo: Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

Viele Teilnehmer dieses ZukunftsForums waren noch nie auf einem BarCamp; vielen DPRG-Mitgliedern war das BarCamp-Format und seine Prinzipien neu, um nicht “wesensfremd” zu schreiben.
Amüsiert stellte ich von Begrüßungsrede zu Sessions und von Tag 1 zu Tag 2 fest, wie sich die DPRG-Mitglieder dem Ihnen neuen Format öffneten. Die von mir im letzten Jahr monierte “Steifheit” fiel mehr oder weniger in ersten Momenten der Veranstaltung.
Auch wenn das “Du” nicht so locker über die Lippen gehen wollte und Dialoge zu hören waren über das Schuhwerk, fehlende Krawatten, die sich formierende Fraktion der “Krawattenrebellen”, grüne Herrensocken … das einsetzende BarCamp-Feeling zauberte entspanntes Lächeln auf die Gesichter der Teilnehmer.

Viele meiner Wünsche nach dem #zukufo im letzten Jahr wurden erfüllt: mehr Aufmerksamkeit für die Veranstaltung im Vorfeld, Zeitplan eingehalten, mehr Frauen auf den Bühnen, entspannter Umgang miteinander.

Was wünsche ich mir fürs 3. DPRG-Zukunftsforum?

  1. Weiterhin spannende, im Vorfeld ausgesuchte Sprecher – auch wenn es nicht wirklich dem BarCamp-Format entspricht
  2. Allerdings auch Sprecher, die nicht nur zu ihrem Sessionslot kommen und danach direkt abreisen
  3. Eine steigende Zahl mutiger Teilnehmer, die selbst Sessions anbieten
  4. Einen @DPRGde-Twitterkanal, der live vom #zukufo berichtet – vielleicht kann ein DPRG-Vorstandsmitglied oder ein #zukufo-Teilnehmer für diese Veranstaltung den Kanal übernehmen?
  5. Mehr Follower für den Twitter-Veranstaltungsaccount @DPRG_ZuKuFo ;-)

Fundstücke im Netz zum #zukufo

Dankeschön an die …

Studiengruppe-Organisator-zukufo-2016

  1. Organisatoren des #Zukufo innerhalb der DPRG
  2. Westfälische Hochschule in Gelsenkirchen für die Gastfreundschaft und ein stabiles W-Lan
  3. engagierten Studierenden, die den #zukufo-Teilnehmern und -Sessiongebern freundlich und hilfsbereit zur Seite standen
  4. Sponsoren und Medienpartner: PRJournal, Digital Media Women, Vonovia und GazpromGermania
  5. Dankeschön an “wer auch immer den fantastischen Abend in der VeltinsArena arrangiert hat”! Geschichten der Fußballprofis Olaf Thon und Gerald Asamoah zu hören, Einblicke in die Arbeit der Presseabteilung eines Bundesligaclubs zu bekommen, eine Stadionführung zu erhalten und im Blauen Salon zu gastieren – das hatte ’was :-).

Schalke04-Bus.jpg Veltins-Arena.jpg Gerald-Asamoah.jpg

Mein Fazit

Meine Kernaussagen der zwei Tage: Die Kommunikation wird Treiber in der Digitalisierung, wenn sie …

  1. sich mutig, offen und auch mal im Durchwurschtel-Prinzip mit den digitalen Kanälen und deren Nutzern auseinandersetzt,
  2. lernt, eingefahrene Denkmuster/Gewohnheiten zu durchbrechen und das Thema digital neu zu denken,
  3. und den digitalen Kulturwandel als Chance begreift.

Eine gelungene Veranstaltung: Ich freue mich auf das 3. DPRG-Zukunftsforum.

Fotos/Screenshots: © Manuela Seubert

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