Meine zweite re:publica war eine gute Mischung aus Vorträgen und Gesprächen #rpten

Veröffentlicht am 06.06.2016 von Manuela Seubert

rpten-willkommen.jpgVom 2.-4. Mai besuchte ich die re:publica in Berlin. Diese Veranstaltung spiegelt aktuelle Themen der digitalen Gesellschaft wider. 8000 Teilnehmer, 500 Stunden Programm auf 17 Bühnen, Workshops und Sessions zu Themen wie Arbeit 4.0, Bildung, Datensicherheit und das diesjährige Schwerpunktthema “Virtual Reality” warteten auf mich.

Mit dem Kürzel #rpten begleitete ich auf Twitter und Instagram dieses Klassentreffen der Netzgemeinde, das zum 10. Mal stattfand. Für mich war es vor Ort erst die zweite re:publica; virtuell hatte ich die Konferenz zwei Jahre zuvor beobachtet. Besonders attraktiv für mich ist bei der re:publica die Zusammenarbeit mit der Media Convention Berlin (#mcb16), die zeitgleich und am gleichen Ort stattfindet – für mich als Kommunikatorin eine ideale Kombination.
Lesen Sie im Folgenden von meinen Highlights und Gedanken zur diesjährigen Jubiläumsausgabe #rpten.


Virtual Reality all over

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Virtual Reality (VR) war Schwerpunktthema der #rpten. An vielen Ständen konnte ich in die virtuelle Realität eintauchen.

  • Beim ZDF-Stand TerraX-Ausschnitte ansehen
  • Auf einer Schaukel durfte ich die Erde verlassen, durch die Wolkendecke stoßen und mich ein wenig im Weltall umsehen, bevor ich wieder Boden unter den Füßen hatte
  • Bei Google wollte ich Achterbahn fahren – das ging nicht, weil mir auch in der VR schlecht wird bei diesem rasanten, kurvigen Fahrspaß ;-)
  • Hingegen hatten es mir die Eschertreppen eines Kölner Studentenprojektes angetan.
  • Zuletzt saß ich mit vier weiteren Personen am Esszimmertisch des Kunstprojektes “Doghouse”. In dieser simulierten Familiensituation nahm ich die Identität des 10-jährigen Sohnes Julius an. Leider hielt ich die ca. 10-minütige virtuelle Realität nicht aus – mir wurde aus drei Gründen schlecht: Mein Gehirn konnte es erstens bei meiner Größe nicht verarbeiten, dass sich mein “Leben” plötzlich auf “kurz über der Tischkante” abspielte; es schaffte zudem nicht die plötzliche Bewegungsfreude eines 10-Jährigen; und drittens ertrug ich es kaum, nicht in die verquere Familiensituation eingreifen zu können.

Auffallend – positiv wie negativ – ist die erlebte Bildqualität. Während die einen Anwendungen fast real wirken trotz einer wahrnehmbaren Verpixelung, sind andere Anwendungen realistätsnah mit ziemlicher Unschärfe.

VR-Anwendungen sind nicht nur interessant für Gamer. In der Unternehmenswelt werden derlei Annäherungen an die Wirklichkeit bereits vielfältig eingesetzt: Sie werden sicherlich schon von den Flugsimulatoren bei der Pilotenausbildung gehört haben; Autobauer setzten beim Verkauf auf Anwendungen, in denen Käufer sich ihr individuelles Auto virtuell zusammenstellen können. Fitnessgeräte werden um VR-Erlebnisse erweitert. In der Ausbildung kann VR simulieren, wie z. B. Maschinen oder Motoren gewartet oder repariert werden.

#rpten-Vorträge: Meine Highlights

Papier – A New Feel for Print

Kate Stone zeigte in ihrem Vortrag, wie sie ein wenig Magie in unseren digitalen Alltag bringt, der die menschlichen Sinne außer Acht lässt. Sie verbindet in ihrer Arbeit das “Berühren” und “Hören” mit elektronischen Komponenten – ob auf DIN-A4-Größe, in Kappen oder auf riesigen Flächen, wie z. B. Baustellenzäunen.

Ein bemerkenswertes Beispiel für den unternehmerischen Einsatz können Sie sich im folgenden Video ab ca. Minute 25 ansehen. Dort wird eine Print-Broschüre für den Audi TT gezeigt, die mit Hilfe eines Smartphones “lebendig” wird. Prädikat: Sehenswert!
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Teletext forever – was du von einem 35 Jahre alten Medium lernen kannst

Dieses Medium hatte ich komplett nicht auf dem Radar. Frauke Langguth von der ARD stellte den Teletext vor, der zum 1. Juni sogar 36 Jahre alt wurde. Hier die wichtigsten Kennzeichen:

  • Eingeordnet als Kurznachrichtendienst verzeichnet der Teletext 11 Mio. Nutzer in Deutschland pro Tag!
  • Der Marktführer Teletext im Ersten kommt täglich auf 4 Mio. deutsche Nutzer
  • Werbung ist möglich
  • Der Teletext im Ersten (@ARDText) hat alles, was Social Media hat: kurz wie Twitter, vergänglich wie Snapchat und überall wie Facebook
  • Die URLs sind im Teletext hinter dreistelligen Zahlen versteckt – das schafft kein ULR-Shortener.
  • Die lockere Variante des Teletextes finden Sie bei Twitter unter @ardtext777.

Dieser Vortrag war ein Highlight: Das ungewöhnliche Thema wurde von einer überzeugenden Rednerin vorgetragen. Leider habe ich die Aufzeichnung dieses Vortrags nicht gefunden (sachdienliche Hinweise gern als Kommentar hinterlassen), daher empfehle ich Ihnen dieses nachlesenswerte Interview mit Frauke Langguth zum Teletext.

Digitales Storytelling – so wird’s gemacht

Den schnell sprechenden Professor Bernhard Pörksen aus Tübingen wollte ich auch bei meiner zweiten Media Convention wieder erleben. Eingebettet in seine Geschichte “Student macht in meiner Vorlesung einen Heiratsantrag” schaffte er es spielend, seine Zuhörer zu fesseln.

Dieses Jahr sprach er unterhaltsam über: Was braucht eine Geschichte, um im Netz Verbreitung zu finden? Seiner Meinung nach sind drei Zutaten nötig:

  1. Geschichten sind auf archetypische Weise aktuell
  2. Geschichten enthalten starke Symbole
  3. Gute Geschichten lassen Leerräume für die eigene Fantasie

Aktualisierung 15.5.2018: Video-Aufzeichnung des Vortrages wurde dauerhaft vom Netz genommen.

Snapchat

Snapchat ist der neue, heiße … (Sie wissen schon) im Social-Media-Bereich. Dementsprechend voll war es bei den Vorträgen zu diesem sozialen Medium, das v. a. Menschen unter 25 Jahren nutzen.

In Snapchat für Erwachsene erklärte ein 14-Jähriger den Erwachsenen die Welt von Snapchat. Sehenswert!
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Spannend war direkt im Anschluss das von Franziska Broich präsentierte Praxisbeispiel anhand des Snap-Kanals des Europaparlaments: “Let’s snap it: How organisations can use Snapchat”.
Das EU-Parlament nutzt bewusst Snapchat, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten und ihnen Politik schmackhaft zu machen. Schauen Sie sich in der Aufzeichnung an, wie mit “Behind the Scenes”, “witzig aufgegriffenen, aktuellen Themen” und “spontanen Aktionen” eine politische Organisation sich Jugendlichen annähert.
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Shitstormen auf Österreichisch

Einige Leser wissen, dass ich nahe der österreichischen Grenze aufgewachsen bin und selbst den bayrischen Dialekt spreche. Leider: Je länger ich mich außerhalb Bayerns aufhalte, desto mehr verliere ich diesen Dialekt.
So war dieser Vortrag von Ingrid Gogl und Fabian Lebersorger für mich ein freudiges Muss. Ich wurde nicht enttäuscht und meine Lachmuskeln ordentlich strapaziert.
Mir war nicht klar, wie krass die Wortwahl unserer deutschsprachigen Nachbarn sein kann. Wenn Sie sich einfach mal nur entspannt zurücklehnen und amüsieren wollen, ist dieses Video richtig für Sie.
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What’s next for Twitter and News?

Enttäuscht ging ich aus diesem Vortrag von Mark Little (Twitter-VP for media in Europe). Als begeisterte Twitternutzerin wollte ich in dieser halben Stunde erfahren, was Twitter plant.
Mein Fazit: Eine reine Werbeveranstaltung mit null Erkenntnisgewinn! Twitter, das war nix – mein Highlight der anderen Art! Deshalb auch kein Link zur Aufzeichnung, sic!

Sonstiges von der #rpten

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  • Erstaunt erfuhr ich in der Willkommenssession, dass von den 8000 Teilnehmern die Hälfte zum ersten Mal auf der re:publica war. Ist der hohe Anteil an Neulingen ein Indiz dafür, dass die re:publica in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist?
  • Die re:publica expandiert: Im Herbst wird es erstmals eine Digitalkonferenz in Dublin geben, die #rpDUB
  • Für mich ist die #rpten so etwas wie das “Über-BarCamp” auf deutschem Boden. Während im letzten Jahr kaum Menschen im Anzug und Kostüm sah, hatte sich das sichtbar geändert. Und: Ich wurde gesiezt – entgegen des BarCamp-Gedankens
  • Die Beschreibungen der Vorträge, Diskussionsrunden, u. a. führten – freundlich umschrieben – zu lustigen Diskussionen. Wer hatte sie entworfen? Hielt sich der Redner tatsächlich noch an diese Ankündigung?
  • Re:lax – welch herrlicher Sonnenschein trotz teils kühler Temperaturen begleitete die pre:publica und die ersten beiden Tage. So wurde die re:lax-Zone im Außenbereich mit weichen Matratzen gern zu einem Power-Nap (?) genutzt, – auch von mir.
  • Geärgert habe ich mich über drei Dinge:
    - erstens wurden interessante Talks in einem offenen Raum angesetzt, der zugleich fürs networking vorgesehen war – ich bin nicht schwerhörig, doch ein Verstehen war nur in den ersten beiden Reihen möglich (z. B. Mercedes über die Zukunft des Autos als Give-away);
    - zweitens gab es interessante Themen auf viel zu kleinen Bühnen;
    - drittens: vielleicht hat der Veranstaltungsort einfach seine Kapazitätsgrenzen erreicht. Letztes Jahr gab es “nur” 7000 Teilnehmer, dafür nicht so viele enttäuschte Gesichter und Gespräche über das “Ich kam nicht mehr in den überfüllten Raum rein”.

Und, Manuela, bist du nächstes Jahr auf der #rp17?

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Wahrscheinlich: Ja.

Die oben präsentierten Highlights spiegeln aktuelle Trends und Diskussionen in meinem Berufsfeld wider, die ich bei der re:publica in gebündelter Form aufnehmen kann.

“Gebündelt” treffe ich dort in Berlin auch viele meiner virtuellen Kontakte, zu denen ich ansonsten viele tausende Kilometer reisen müsste. Einige Teilnehmer gehen zur re:publica, um drei Tage ausschließlich zum Netzwerken zu nutzen und keinen/kaum einen Vortrag zu besuchen.
Dazu gehöre ich (noch) nicht, denn die präsentierten Themen der 770 internationalen Vortragenden aus 60 Ländern sind einfach zu interessant und aktuell. Bei mir hielten sich Vorträge und Gespräche/Diskussionen ungefähr die Waage.
Viele Menschen aus Kommunikation, Bildung, Vertrieb, Agentur, Unternehmen, Start-up und kirchlicher Organisation haben die #rpten für mich wertvoll gemacht – Danke an Euch!

Stöbern Sie selbst ein wenig in den aufgenommenen Vorträgen im YouTube-Kanal von #rpten und #mcb16 – ideal z. B. beim Aufräumen des Büros ;-)

Fotos: Manuela Seubert PR

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