Netzwerken per Social Media oder persönlicher Treffen?

Veröffentlicht am 26.05.2016 von Manuela Seubert

Buber-Leben-Begegnung
Vor einigen Tagen nahm ich erstmals an einem persönlichen Treffen der Digital Media Women DMW Rhein-Main teil. Auch wenn ich schon einige der DMW virtuell und real über Veranstaltungen wie BarCamps kenne, inhaltlich zum Thema Markenbotschafter das 1. virtuelle DMW-Meet-up per Google-Hangout unterstützt habe, meine Teilnahme an einem DMW-Treffen vor Ort ergab sich bisher nie.

Bei der Vorstellungsrunde und beim Gespräch über die Nutzung digitaler Medien wurde mir klar: Selbst ich als “Neuland-Spät-Einwanderin von 2012” lebe mittlerweile in einer digitalen Filterblase. Denn einige Teilnehmerinnen des Abends waren gar nicht über “Digitalien” auf dieses Netzwerktreffen aufmerksam geworden, sondern durch persönliche Kontakte und Empfehlungen.
Das habe ich so bei den DIGITAL MW nicht erwartet :-).

Auf dem Nachhause-Weg fiel mir ein alter Newsletter-Beitrag (Link zur Newsletter-Anmeldung) von mir ein, in dem es um die Nutzung von Sozialen Medien ging.

Zahlen des Zauderns – 2014 und 2016

Am 22.9.14 sprach die Horizont-Redaktion in diesem Online-Artikel über die Zahlen des Zauderns bei der Social-Media-Nutzung. Demnach halten sich 51 Prozent der Deutschen über 14 Jahre privat wie beruflich völlig von sozialen Medien fern!

2016 sieht es nicht viel besser aus: Im Februar zitierte Spiegel Online eine US-Studie, wonach nur jeder zweite deutsche Befragte, der Internetnutzer ist oder ein Smartphone besitzt, soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter nutze. Damit liegt Deutschland auf dem letzten Platz der 40 in der PEW-Untersuchung eingeschlossenen Länder.

Social Media im Rahmen Ihrer Unternehmenskommunikation

Diese Zahlen machen deutlich, wie wichtig eine durchdachte Strategie zur Unternehmenskommunikation ist. Kann Netzwerken und Kontaktpflege für Sie über soziale Medien funktionieren oder sind reale Treffen wichtiger?

Sie kennen es sicherlich von Ihrem eigenen Suchverhalten: Eine Internet-Suchmaschine ist häufig Ihr Mittel der Wahl, wenn Sie nach neuen Informationen und interessanten Personen/Organisationen Ausschau halten.
Eine digitale Präsenz ist in der heutigen Zeit nicht mehr aus dem Instrumentarium der Kommunikation wegzudenken. Basis für eine gute Auffindbarkeit und Sichtbarkeit ist Ihre Website, – mit wertvollem, relevanten Inhalt für Ihre Zielgruppen und technisch optimiert.
Ergänzt werden sollte diese ggf. – passend zu Ihren Unternehmens- und Kommunikationszielen – durch ein eigenes Blog oder Social-Media-Präsenzen.

Gehen Sie jedoch an die Eröffnung von Profilen bei Facebook, Twitter & Co. vorsichtig heran – v. a. wenn Ihr vorrangiges Ziel das Netzwerken ist.

Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich berate meine Kunden gern in Sachen Social Media, glaube an deren Nutzen und nutze selbst einige. Doch Social-Media-Präsenzen kosten Zeit sowie personelle und finanzielle Ressourcen. Und: Deren Nutzung muss in Ihre strategische Planung passen.

Fragen Sie sich im Vorfeld eines Social-Media-Engagements:

  • Welche Unternehmens- und Kommunikationsziele habe ich?
  • Wer gehört zu meiner Zielgruppe?
  • Wo kann ich meine Zielgruppe antreffen?
  • Wie baue ich eine Beziehung zu diesen Personen auf?
  • Ist meine Zielgruppe überhaupt in den sozialen Medien unterwegs?
  • Akzeptiert diese Zielgruppe eine erste Kontaktaufnahme über die sozialen Medien?
  • Habe ich genug Zeit, um eine soziale Plattform und deren Spielregeln kennen zu lernen?

In Abhängigkeit von Ihrer Branche, Ihrem Geschäftsmodells u. a. sind die “sozialen, geselligen Medien” nicht immer das Mittel der Wahl, um sich ein Netzwerk aufzubauen und in Dialog zu treten. Die “Zahlen des Zauderns” unterstützen (noch) diese These.

Denn die Social Media sollten Sie immer als ein Instrument von vielen in Ihrem Kommunikationsorchester betrachten.
Bevor Sie also ins Abenteuer “Digitalien” aufbrechen, treten Sie doch einen Schritt zurück.

Kontaktanbahnung und Vernetzung im alten Stil

Berücksichtigen Sie zum Netzwerken nach wie vor den “guten, alten” Kommunikationsweg aka “persönliches Treffen” oder wie es bei den DMW genannt wird: Meet-up.
Es steht für viele im beruflichen Kontext immer noch an erster Stelle.

Der Religionsphilosoph Martin Buber hat dies – auch für uns Unternehmer – treffend formuliert:

Alles wirkliche Leben ist Begegnung (Martin Buber)

Überlegen Sie sich als Unternehmer, wo Sie Ihre Kunden, Interessengruppen und mögliche Kooperationspartner im realen Leben treffen könnten:

  • Besuchen Sie Veranstaltungen von Berufs- oder Branchenverbänden
  • Fahren Sie zu regionalen, nationalen oder auch internationalen Fach- und Verbrauchermessen
  • Hören Sie sich Vorträge an, z. B. bei der lokalen Industrie- und Handelskammer oder der Kreishandwerkerschaft
  • Halten Sie selbst Vorträge bei Konferenzen, Fachtagungen oder bei Verbänden
  • Fragen Sie Geschäftspartner oder Branchenkollegen, welche Veranstaltungen/Organisationen zum Netzwerken geeignet sind
  • Schauen Sie sich Ihren Nachbarn an – im Zugabteil, in der Flugzeugkabine … ;-)

Mein Fazit: Social Media oder old school zum Netzwerken?

Sie werden es sich denken können: Eine pauschale Antwort ist mir – ohne die Kenntnis Ihres Unternehmens – nicht möglich.

Für mich passt am besten die Kombination von beidem. Social Media und allen voran Twitter haben es mir vor allem zu Beginn meiner Selbstständigkeit ermöglicht, mit unbekannten Personen unverbindlich Kontakt aufzunehmen. Aus diesem virtuellen Beschnuppern entstand bei einigen Personen der Wunsch, dass ein Treffen im “realen Leben” erfolgen soll. Das war teils zunächst per Telefon oder Skype-Telefonat. Die Krönung ist meist ein echtes Kennenlernen. Virtuelle Kontakte treffe ich erstmals häufig auf BarCamps oder neuerdings auf der re:publica.

Netzwerktreffen mit Menschen, die vor der Nutzung der Social Media zurückschrecken, gehören für mich zur Kontaktanbahnung dazu.
Derzeit fällt es mir noch schwer, einen passenden Rahmen für Kennenlernen, gegenseitige Unterstützung, zweckfreies unternehmerisches Vernetzen und offenen Austausch zu finden.
Es gibt viele Veranstalter – doch ein freies Netzwerken, in dem die Führungspersonen der jeweiligen Organisation nicht im Mittelpunkt der Sichtbarkeit stehen und in dem der zeitliche und finanzielle Einsatz in einem vertretbaren Rahmen bleiben, habe ich bisher nicht gefunden.

Ich gebe die Suche danach nicht auf. Derzeit nutzte ich lokale, regionale und nationale Vereine/Verbände, die meinen Bedürfnissen nahe kommen.

Ihr Tipp für mich: Welche Veranstaltungen nutzen Sie, um beruflich neue Kunden, Lieferanten oder interessante Menschen kennen zu lernen?

Foto: Manuela Seubert

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