Rückblick: DPRG-ZukunftsForum 2015 #zukufo

Veröffentlicht am 23.06.2015 von Manuela Seubert

DPRG-ZukunftsForum-2015-WH-Glasfront.jpgDer Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) gehöre ich nicht an. Der erste DPRG-Zukunftskongress am 12.6.2015 an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen war für mich der Anlass, meinen passiven DPRG-Beobachtungsstatus zu verlassen und mich dort als Nicht-Mitglied einmal umzuschauen.

Begleiten Sie mich bei meinem Rundgang durch den von mir besuchten Teil des #zukufo.
Bei Twitter können Sie sich unter dem Hashtag #zukufo selbst einen Einblick verschaffen.

Das 1. DPRG-ZukunftsForum

Das erste DPRG-ZukunftsForum stand unter dem Motto: “Die Trends von heute für morgen denken”. Das Programm las sich vielversprechend, denn interessante Keynotes wechselten sich mit Panels zu PR-Spezialthemen ab.

Meine Highlights des #zukufo

Erfolgskommunikation

Prof. Bernd Kriegesmann stellte in seinen Eröffnungsworten an das Plenum Fragen, die die interne Kommunikation betreffen. In seiner Funktion als Präsident der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen kommt er manchmal an den Punkt, an dem er sich fragt: Wie gehe ich mit Erfolgskommunikation um? Es sei nicht leicht, Erfolge in einer Organisation zu teilen. Wie kann man Empfänger empfangsbereiter machen?

Eine spannende Frage, – wie ich finde. Wir eilen von Projekt zu Projekt, sind erleichtert über ein erfolgreiches Projektende – und eilen zum nächsten Projekt. Wie sieht das Innehalten, das Feiern, das Mitteilen eines erreichten Stückes Unternehmensgeschichte aus, das nachhaltig wirkt und auf das alle stolz sein können?

Vom Ende der PR: Unternehmenskommunikation in Zeiten der Postmoderne

In seiner Keynote blickte Prof. Christoph Ehrhart auf die Veränderungen, die auf die Unternehmenskommunikation einwirken (UK). Ehrhart ist bei der Deutschen Post DHL zuständig für Konzernkommunikation und Unternehmensverantwortung.

Stuttgart21 habe gezeigt, dass Legalität nicht immer als legitim wahrgenommen werde, dass Zielgruppen heute vielmehr in Stakeholder zu unterteilen sind und nicht der Sender, sondern die Empfänger im Vordergrund stehen.

Globalisierung, Alltagsdigitalisierung, Nachhaltigkeit und soziale Fragmentierung von Zielgruppen und Produkten führen zum Ende der Nabelschau in der UK. Künftiger Erfolgsfaktor sei die Corporate Empathy, die Basis für ein Beziehungsmanagement sei.

Organisationsstruktur

Im Panel zur Kommunikationssteuerung wurde ich bei den einleitenden Worten von Harald Stender stutzig. Er ist Bereichsleiter Group Communications New Media/Kommunikationssteuerung bei der Commerzbank. Dort sind neben den klassischen Kommunikationsdisziplinen in der Unternehmenskommunikation (UK) der Commerzbank das Marketing und die Marktforschung angegliedert.

Mir verschlug es die Sprache: Die Marktforschung!?!
Klar, aufhorchen ließ mich auch: Das Marketing!

Als ehemaliger Marktforscherin war mir sofort klar, dass dies ein organisatorischer Coup ist. Beide Disziplinen befruchten sich mit ihren Aufgabenfeldern gegenseitig.
Marktforschung wird zudem nicht mehr nur als “Anhängsel” des Marketing wahrgenommen, sondern auf eine nächste Stufe gehoben, die abteilungsübergreifend unterstützen kann.
An dieser Stelle danke ich Herrn Stender recht herzlich. Nach dem Panel erläuterte er mir, wie es zu dieser Veränderung kam. Begeistert schilderte er u. a. die Vorteile dieser Annäherung von Marktforschung und UK.

Ob diese organisatorische Einheit in anderen Unternehmen ebenfalls umgesetzt wird, um die Wirkung von Kommunikation in Zeiten des Medienwandels zu steuern?

Erfolgsmessung bei verhinderter Kommunikation

Ebenfalls im Panel zur Kommunikationssteuerung in der digitalen Gesellschaft fiel mir eine Randbemerkung auf. Jürgen Kornmann, Leiter Personenverkehr der Deutschen Bahn, sagte: “Es ist ein Erfolgsfaktor, wie viele Artikel wir vermeiden konnten, damit unsere Kunden doch mit uns fahren.”

Erst im persönlichen Gespräch nach dem Panel konnte ich erfragen, wie sich dies in seinen KPIs oder dem Reporting niederschlage. Schließlich gibt es kaum Beweise oder Messzahlen für verhinderte negative Berichterstattung.

Kornmann bestätigte dies. Hierbei spiele das Vertrauensverhältnis zwischen Chef und Kommunikationsverantwortlichem eine Rolle. Ein materieller Wert werde diesem Erfolgsfaktor nicht zugewiesen.

Krisenkommunikation – Alte Ängste, neue Techniken?

Auf diese Keynote war ich besonders neugierig. Peter Höbel, bekannter Kommunikationsfachmann bei Krisen und Mitautor des Buches Krisenkommunikation, referierte über wichtige Faktoren in der Krisenkommunikation.

Wie an der gelungenen Kommunikation beim GermanWings-Absturz zu sehen war, kommt den Chefs eine besondere Rolle zu. In der Krise haben es Unternehmen schnell mit 50-60 Stakeholdern zu tun, die nicht den Pressesprecher sehen oder hören wollen, sondern den Unternehmenslenker.
Diese müssen offen, empathisch und sympatisch sein – Persönlichkeitsmerkmale, die ein Chef nicht lernen kann, sondern mitbringen muss!

Höbels Analyse des Germanwings-Unglücks zeigte u. a., dass Meinung nach wie vor in den klassischen Medien und deren Online-Ablegern gemacht wird. Social Media sind jedoch zu Beginn einer Krise für die Anfangskommunikation wichtig.

PRler – so gestresst wie Soldaten an der Front oder Feuerwehrmänner im Einsatz

Alexander Kopp und Prof Ralf Pukrop gingen der Frage nach: “Wie lange halten Sie noch durch? Achtsamkeit – Entschleunigung – Stressbewältigung”. Zunächst präsentierten sie Basiswissen zum Burn-out, u. a. eine Definition: Burn-out = sich überarbeiten und früh sterben! Dagegen setzten die Referenten die Achtsamkeit, mit der man bewusst, präsent und urteilsfrei seine Umgebung beobachtet.
Die Prinzipien der Achtsamkeit lauten: Wertneutralität, Anfängergeist, Vertrauen, Geduld, Akzeptanz, Teflon-Geist, Loslassen sowie Liebe und Mitgefühl.

Was ich mir fürs 2. DPRG-ZukunftsForum wünsche

DPRG-ZukunftsForum-2015-WH-Fahnen.jpg

Laut eigenen Angaben war es die erste Veranstaltung der DPRG in diesem Format.
Das Zukunftsforum wird laut DPRG-Präsident Norbert Minwegen in den nächsten Jahren mit dem Zukunftsforum von einer Hochschule zur anderen wandern.

Ein sympathischer Gedanke, wie ich finde.

Meine Wunschliste für künftige Veranstaltungen:

  • Die Einhaltung des Zeitplans darf gern rigoros eingefordert werden. So gern ich selbst Peter Höbels Keynote lauschte – diese sollte eine halbe Stunde dauern und nicht eine Stunde.
    Das Resultat der nicht von den Organisatoren unterbrochenen Keynote: Die anschließenden Panels mussten gekürzt werden, was ich den Referenten der Panels und deren interessierten Zuhörern gegenüber als unhöflich empfand.
    Außerdem bedeutete es für mich, dass ich den Epilog “Always on, never alone” verpasste. Mein Transfer zum Essener Bahnhof fuhr pünktlich ab.
  • Wo waren die Frauen der DPRG auf dem Podium? Bei ca. 2.500 Mitgliedern kann ich mir nicht vorstellen, dass sich lediglich eine Hand voll anbieten, um auf der Bühne ihr Wissen und ihre Ideen für die Zukunft zu teilen.
  • Public Affairs ist nicht mein Steckenpferd. Trotzdem schnuppere ich gern in diesen Bereich hinein. Daher freute ich mich eigentlich auf die Podiumsdiskussion zur spannenden Frage “Wann ist Lobbying legitim?”. Lag es an der Länge des zugewiesenen Zeitraums oder an der Moderation? Der Funke sprang bei mir nicht über und ich verließ den Raum vor offiziellem Ende, – wie einige andere Teilnehmer auch.
  • Gab es fürs #zukufo überhaupt Werbung? Ein DPRG-Mitglied machte mich auf diese Veranstaltung aufmerksam, sonst hätte ich sie als Nicht-Mitglied verpasst.
  • In der Biografie des DPRG-Twitterkanals steht zwar, dass aus der Geschäftsstelle in Berlin getwittert wird. Aber war nicht an diesem 12.6. die Geschäftsstelle temporär nach Gelsenkirchen verlegt ;-)? Tweets von dieser interessanten Veranstaltung hätten dem digitalen Gesicht der DPRG gut getan.
  • Positiv überrascht habe ich als Bahnfahrerin bei der Anmeldung zur Veranstaltung registriert, dass die DPRG einen Bustransfer vom Hauptbahnhof in Essen nach Gelsenkirchen anbietet. Im Vorfeld fehlte mir die klare Kommunikation, an welchen Stellen der Bus am Bahnhof abfahren würde.
  • Persönlich fand ich die Veranstaltung etwas steif. Das mag daran liegen, dass ich als Nicht-Mitglied erstmals direkten Kontakt zur DPRG hatte und in letzter Zeit vornehmlich BarCamps besucht habe. Auf BarCamps wird unabhängig von Agenturgröße, Kundenreputation oder eigenem Geschäftsmodell miteinander diskutiert, thematisch gerungen und ausgetauscht. Dieser ungezwungene Umgang miteinander hat mir in Gelsenkirchen teilweise gefehlt.

Fundstücke im Netz zum #zukufo

Dankeschön

DPRG-ZukunftsForum-2015-WH-Logo.jpg… an das Team der DPRG für die Organisation. Gelungen fand ich Bustransfer, Betreuung, Verpflegung und vor allem die Wahl des Veranstaltungsortes im studentischen Umfeld, die die von mir als förmlich wahrgenommene Atmosphäre auflockerte.
… an die Westfälische Hochschule in Gelsenkirchen. Engagierte Studierende der Fachrichtung Public Relations und Journalismus begleiteten die Teilnehmer. An diesem sehr warmen Tag mit Temperaturen um die 30°C war ich erfreut, im Gebäude der Hochschule klimatisierte Räume vorzufinden. Und als “Zuckerl”: ein stabiles W-Lan :-).
… an die Sponsoren: Deutsche Annington, Deutsche Post DHL, Opel, Westfälische Hochschule, PRJournal, PRReport und tixxt.

Mein Fazit

Die DPRG hat mit der gelungenen Themenwahl und den Vortragenden Impulse und Denkanstöße für die künftige Ausrichtung der Kommunikation gegeben.

Ich bin gespannt auf die zweite Auflage des DPRG-Zukunftsforums.

Fotos: Manuela Seubert

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