Das war's: Finding Europe bei der re:publica (#rp15)

Veröffentlicht am 12.05.2015 von Manuela Seubert

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Drei Tage liegen hinter mir. Drei Tage auf meiner ersten re:publica 2015 in Berlin. Drei Tage mit Diskussionen und Vorträgen zur digitalen Entwicklung der Gesellschaft sowie persönlichem Netzwerken.

“Pack’ Dir nicht zu viel Vorträge in den Tag”, “Lass Dir Zeit zum Netzwerken”, “Schau Dir vor allem Sessions an, die nicht aufgezeichnet werden; die anderen kannst Du später bei YouTube nachholen”, “Geh zu Vorträgen, deren Titel Fragezeichen auf Deine Stirn zaubern”, “Lass Dich treiben”.
Fünf Tipps, die ich fast alle beherzigt habe. Denn ein derartiges Mammutprogramm mit mehreren Hundert Sprechern, knapp 20 Bühnen und über 7.000 Teilnehmern ist überwältigend.

Meine Höhepunkte und Gedanken zur #rp15

  • Wer mich in fünf Jahren fragt, was von meiner ersten re:publica in Erinnerung bleibt, dem werde ich antworten: Der Vortrag vom Mann im blauen Overall und mit dem fantastischen Bildmaterial. Alexander Gerst hat mich mit in die Weiten unseres blauen Planeten genommen. Locker, mit viel Humor und dem Lachen über sich selbst brachte er uns u. a. Stundenpläne, Pannen (u. a. mit Unterhosen), Experimente oder Fußballspiele mit Folgen auf der ISS näher. Ein sehr sympatischer Mensch mit Überzeugungskraft für die Notwendigkeit einer Forschungsstation im All, die mehr als “finding Europe” ausmacht. Ein mitreißender Redner für Frieden, Umweltschutz, internationale Zusammenarbeit, Forscherlust und verwirklichte Träume!
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  • Marktforschung gehört zu meinem Berufsweg und fasziniert mich noch heute. Daher ließ ich mir den Vortrag von Alexander Mankowsky der Daimler AG zur Zukunft des autonomen Fahrens nicht entgehen.
    Basierend auf den Entwicklungen zu autonomen Autobestandteilen aus den 70-er Jahren und gepaart mit den Zukunftsvisionen von Automobil-fernen Denkern (z. B. Künstler) entwickelte Mankowsky mit seinem Team Ideen, wie das Auto der Zukunft aussieht und was es für die Gesellschaft leisten kann.
    In Zukunft nutzen wir das Auto als Entspannungsort, als Café auf vier Rädern, als Verkaufsstand oder als mobilen Garten. Parkende Autos stehen nicht dumm rum, sondern werden als Straßenbeleuchtung eingesetzt. Sie sind so intelligent, dass sie verunfallte Fußgänger erkennen und autonom einen Notruf absetzen.
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  • Das Schlagwort #personalanalytics war neu für mich. Dabei geht es um die Erhebung und Auswertung von Mitarbeiterdaten, die über verschiedene Techniksysteme gewonnen werden. In den Personalabteilungen herrscht zum Begriff “Personal Analytics” ein Definitionschaos. Deshalb gibt es noch keine klare Vorstellung, wie damit umzugehen ist.
    Aus folgenden Fragen können Erkenntnisse für die Unternehmen gewonnen werden: Wie kann ich Menschen finden, die zum Unternehmen passen und die richtige Einstellung zu ihrer Verantwortung und dem Unternehmen haben? Oder: Wie kann ich einzelne Mitarbeiter in ihrer Entwicklung maßgeschneidert unterstützen? Wie gut oder schlecht schläft der Mitarbeiter, d. h. wie leistungsfähig ist er? Wie ist seine Stimmlage am Telefon, d. h. wie gestresst ist er? Die Unternehmen erfahren, wer in wie vielen Wochen kündigt, obwohl der Mitarbeiter es selbst noch nicht weiß!
    Unabhängig vom System ist es wichtig, dass die Mitarbeiter a) von dessen Einsatz wissen (Transparenz), b) ihre Daten vor dem Analyseteam einsehen und c) unerwünschte Daten ggfs. selbst löschen können.
  • Ebenfalls nicht auf meinem Radar war bisher Prof. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler in Tübingen. Sein Vortrag zur “Fünften Gewalt” war kurzweilig und erhellend mit ziemlich trockenem Humor. Mit der fünften Gewalt meint er nicht die Macht des Einzelnen, sondern die Macht der vernetzten Vielen. Deren Einfluss verläuft nicht lineal-kausal, sondern in einem diffusen Wirkungsnetz.
  • Das persönliche Kennenlernen verlief analog zu Pröksens fünfter Gewalt: im diffusen Wirkungsnetz :-).
    Manches Kennenlernen war von langer Hand geplant und fand statt, z. B. mit Martina Bloch, Maren Kaiser und Kati Schmitt-Stuhlträger. Es war mir ein Vergnügen!
    Nach Salz in der Netzwerksuppe schmeckten zufällige Aufeinandertreffen in der U-Bahn à la “Ach, Du bist das auf Twitter!” (z. B. mit Bob Blume).
    Das “Wenn jemand jemanden kennt” führte mich zum Meinungsaustausch mit z. B. BildungsWertes, BirteHB oder Texterella über u. a. e-Learning oder Positionierung.
    Leider reichte bei wenigen virtuellen Bekanntschaften die Zeit nur für einen kurzen Handschlag; auf ein vertiefendes Gespräch muss ich bis zur nächsten Gelegenheit warten.
    Nicht zu vergessen all die lieben Menschen, die ich dort zum erneuten Mal traf, – nicht wahr Ruth?
    Eben: Diffuses Kennenlernen à la re:publica.

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  • Jung und Alt waren hier auf den Beinen, gingen aufeinander zu, diskutierten bekannte und neue Phänomene der Netzkultur.
  • Einzige Kritik: Von mir ausgewählte, als Workshop gekennzeichnete Sessions entpuppten sich als Frontalvortrag.
  • 850 internationale Sprecher, 500 Stunden Programm auf 17 Bühnen, Menschen aus 60 Ländern: Ich beglückwünsche die Organisatoren zu dieser gelungenen Veranstaltung.
  • Den vielen Helfer der re:publica sei separat gedankt: Ich konnte mich dank Eurem Engagement wohl fühlen!

Ihr Nutzen

Hoergeraete_rp15.jpgAuf YouTube haben die re:publica-Veranstalter bisher (Stand vom 12.5.2015) 168 Videos von der diesjährigen Konferenz hochgeladen.
Schauen Sie rein und hören Sie sich die 30 bzw. 60 Minuten langen Vorträge an. Sicherlich nicht umsonst, dafür kostenfrei.
Bis zur re:publica 2016 dürften Sie und ich durch sein ;-).

Fotos: © Manuela Seubert

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