Kleine Auszeiten im Alltag: Gar nicht so einfach!

Veröffentlicht am 13.07.2014 von Manuela Seubert

Gar nicht so einfach! Das war mein erster Gedanke, als ich Birgit Geistbecks Aufruf zur Blogparade Kleine Auszeiten im Alltag entdeckte (Aktualisierung 11.06.2018: The requested resource is currently locked).

Steinbalance
Steinbalance am Mittelmeer

Nach ein wenig Grübeln wurde mir klar, dass sich in meinen Alltag von 6 bis ca. 23 Uhr im Dreieck von Familie, Unternehmen und eigener Persönlichkeit bereits Momente der Entspannung und des kleinen Glücks unbewusst eingeschlichen haben.

Vormittags: Bürozeiten mit Pausenklingeln

Hat meine Familie das Haus verlassen, gehe ich direkt in mein Büro. Seit ich meine Anstellung vor ein paar Jahren gekündigt und mich selbstständig gemacht habe, schätze ich den kurzen Weg. Mit diesem kleinen Glücksgefühl über den nicht vorhandenen Arbeitsweg betrete ich mein Homeoffice.

Als Solounternehmerin möchte ich jede freie Minute intensiv nutzen, um mein Geschäft vorwärts zu bringen. Zu Beginn kam es vor, dass ich durchgehend bis die Kinder nach Hause kamen, arbeitete. Keine Ablenkung durch Kollegen oder Chefs. Allerdings auch keine Schnaufpausen durch Kollegen oder Chefs. Das erschöpft auf die Dauer.
Zufällig bin ich auf das Online-Tool pomodore.me gestoßen, das nun Moosti heißt. Dahinter steht eine gewisse Philosophie, mit der ich mich marginal beschäftigt habe. Nach ein paar Probeläufen lautet mein optimales Verhältnis zwischen Arbeits- und Pausenzeit je Stunde: 45:15 Minuten.
Nach 45 Minuten konzentrierter Arbeit an meinen Projekten oder den meiner Kunden könne ich mir 15 Minuten Pause. Meist schaue ich nach, was in meiner Twitter-Timeline passiert, lese thematisch passende Fundstücke aus dem Internet oder mache eine offline-Pause. Dabei stehe ich bewusst am Fenster, blicke in die Ferne und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen.

Mittagszeit: Ein Schläfchen in Ehren …

Ab ca. 13 Uhr bricht die Mittagszeit an. Kochen, aus der Schule kommende Kinder und gemeinsames Essen stehen auf dem Plan. Anschließend steht ein weiteres Alltagsglück an.

Unendlich wichtig ist mir nämlich mein halbstündiger Mittagsschlaf. Während der ersten sechs Kinderjahre musste ich nachts im Durchschnitt ein- bis zweimal aufstehen. Ich habe selbst erlebt, dass Schlafentzug ein Folterwerkzeug ist. So habe ich mir in den letzten Jahren angewöhnt, mir direkt nach dem Mittagessen entweder in der Hängematte oder in meinem Lesesessel ein Nickerchen zu gönnen.
HaengematteIm Sommer genieße ich meine halbe Stunde in der Hängematte, sehe in den Himmel, höre den Vögeln zu und freue mich über die Schmetterlinge, die über das Feld neben unserem Grundstück fliegen. Kein Schlaf, sondern eher eine Wachmeditation. Und manchmal falle ich durch das sanfte Schaukeln der Hängematte in einen kurzen, erfrischenden Schlaf.
Wird es kühler oder regnet ist, ist mein Lesesessel die Auszeit vom Alltag. Ich kuschle mich in meine Lieblingsfließdecke, während der Sessel elektronisch in die waagrechte Liegeposition fährt. Zeitgleich dichte ich meine empfindlichen Ohren mit Ohrenstöpsel ab, damit kein Geräusch mich vom schnellen Einschlafen abhält. Derart konditioniert falle ich in einen schnellen und tiefen Schlaf.

Der Nachmittag: Kaffeezeremonie

Der Nachmittag gehört den Kindern, dem Haushalt und dem Garten. Schulaufgaben, Mamataxi-Dienste, Küche, Einkaufen, Wäsche u. v. m. wollen erledigt werden. Ein Ritual gehört im familiären Tohuwabohu der Nachmittagsstunden dazu: das händische Aufbrühen meiner Tasse Kaffee.
KaffeezeremonieGefiltertes Wasser in den Wasserkocher einfüllen, Lieblingshaferl und den schweren Porzellanfilter aus dem Schrank holen. Anschließend die Kaffeedose öffnen und den herben Kaffeeduft genießen. Den braunen Kaffeefilter an zwei Kanten knicken, in den Filter legen und das Kaffeepulver hinzufügen. Bevor das Wasser endgültig heiß ist, wird dem Kaffeepulver noch etwas Salz hinzugefügt, damit sich die Kaffeearomen besser lösen. Mit dem kochend heißen Wasser überbrühe ich langsam das Pulver. Ich beobachte wie das noch sprudelnde Wasser das Pulver zum Wirbeln bringt und hellbraune Bläschen sich bilden. Gebannt warte ich, bis der Kaffee durchgelaufen ist. Mein Ritual neigt sich dem Ende zu. Ich füge dem Kaffee noch viel Milch und eine kleine Prise von Aladins Kaffeegewürz (u. a. Kardamom, Zimt, Ingwer) hinzu … und die Auszeit dieses bewussten Zubereitens eines Haferl Kaffees ist vorüber.
Das Kaffeetrinken erledige ich nebenbei.

Der Abend: Diversität ist angesagt

Wie überall gibt es auch bei mir am Abend Pflichten, denen ich nachgehe. Gemeinsames Abendessen ist angesagt, die letzten Hausarbeiten, Kinder ins Bett bringen oder selbst noch einmal an den Schreibtisch zurückkehren.
In diesen abendlichen Stunden sind die Auszeiten länger, unterschiedlich und erholsam:

  • Sportaktivitäten wie Fitnessstudio, Radeln oder Nordic Walking dürften ruhig häufiger sein ;-).
  • Meine Kinder sind älter und verschlingen selbst viele Bücher, aber mein Vorlesen vorm Zu-Bett-Gehen genießen sie immer noch, – wenn auch seltener. Für mich ist das Vorlesen meditativ und entspannend.
  • Der Tag klingt perfekt aus, wenn Zeit bleibt für einen kleinen Abendspaziergang mit meinem Mann oder das eigene Lesen. Dieses Jahr hat sich von selbst viel Fachliteratur zur digitalen Unternehmenskommunikation auf meinen Lesestapel geschummelt.

Und sonst?

Entspannungstechniken wie Thai Chi und Yoga habe ich schon einmal probiert. Warum auch immer, es geht nicht an mich ran. Vielleicht bin ich zu ungeduldig. Lieber gehe ich in die Natur, wandere, lasse meinen Blick bewusst schweifen und nehme im (schnellen) Gehen die Geräusche wahr. Das ist für mich Balsam für die Seele.

Noch mehr entspannt mich im lauten Familienalltag: Stille, Stille, und nochmals Stille.

Größere Auszeiten versuche ich einmal im Jahr zu nehmen. Dann lasse ich Mann, Kinder und Haus wenige, kostbare Tage hinter mich und unternehme abseits der eigenen vier Wände etwas mit langjährigen Freundinnen. Die nächste Auszeit ist schon in Sicht: Anfang September im Odenwald!

Klappen die kleinen Auszeiten täglich bei mir? Nein, natürlich nicht! Aber immer häufiger :-).

Welche Auszeit nehmen Sie sich? Gibt es ein besonderes Ritual, aus dem Sie im Alltag Kraft schöpfen?

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