Rückblick auf das erste KrisenPRCamp 2014

Veröffentlicht am 17.04.2014 von Manuela Seubert

KrisenPRCamp 2014: Medienpark Köln

Am 11. und 12. April fand in Köln das erste KrisenPRCamp im Startplatz (Medienpark) statt. Zwei Tage diskutierten 120 Vertreter aus Unternehmen, Agenturen und Behörden über Krise und das schnell verpönte Wort “Shitstorm” in 34 Sessions (=Vorträge, Planspiele, Workshops) intensiv und auf hohem Niveau.

Krisenkommunikation – ein weites Feld

Eine große Bandbreite an Themen stellten die BarCamper zum Thema Krisenkommunikation vor. Eine Frage zog sich durch alle Sessions, – mal mehr, mal weniger gut definiert: Was ist eine Krise? Und wie unterscheidet sie sich von Kritik oder einer Empörungswelle? Wann wird Kritik oder Shitstorm zu einer Unternehmenskrise?
In der Krisenprävention muss diese Frage jedes Unternehmen für sich beantworten und folglich seine Handlungen ableiten.

Meine persönlichen Highlights

Es lässt sich nicht ändern: Das Wort Krise löst negative Gefühle aus. Zwei Tage “badeten” wir uns in Krisen, Kritiken und Shitstorms. Die Stimmung war prächtig und diskussionsfreudig, der Spaß und die Erheiterung aufgrund der zahlreichen Beispiele kam nicht zu kurz: Hamster und Zombies traten auf den Plan; Nießattacken sind der neue Cat Content; Menschen mit eindeutigen Essensvorlieben lösen eher digitale Stürme aus als Jäger; olfaktorische Proben bei Schweinen schmissen das Kopfkino an … Über Krisen im Nachgang zu lachen ist einfach; während der stürmischen Zeiten bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

KrisenPRCamp 2014: Sessionplan vom 11.4.2014
Hinweis 1: Die Beschreibung der Sessions fällt kurz aus. Häufig hörten wir: “Bitte das Folgende nicht twittern”.

Hinweis 2: Von den qualitativ hochwertigen Sessions stelle ich nur wenige vor. Sie erinnern sich an das soeben Gelesene? “Bitte das Folgende nicht twittern” bzw. bloggen ;-).

Antwortstrategien in Krisensituationen

Gesine Maerten @_gesine stellte in einer Übersicht Strategien vor, wie in verschieden kritischen Situationen kommuniziert werden kann.

Videos von z. B. Heineken oder Honeymaid zu digitalen Empörungswellen warfen die Frage auf: „Wurde das Krisenreaktions-Video nicht im Vorfeld in die Werbe-/PR-Kampagne eingeplant?“.

Hier geht es zu “Gesines Präsentation” (Aktualisierung 01.06.18: Ursprünglich verlinkte Webseite wurde dauerhaft entfernt)

Argumentationsstrategien

Torsten Rössing @roetor und Marcus Ewald @maewald haben vor ein paar Jahren die deutsche Meisterschaft im Argumentieren und Debattieren gewonnen (ja, so etwas gibt es!). Anhand von Beispielen (Hoeneß, Kitkat) erklärten Sie dem Plenum, wie das Steuern von Argumenten nach Steven Toulmin funktioniert.
Einige Erkenntnisse:

  • Argumentation = Claim + Data + Warrant + Qualifier + Schlussregel.
  • Qualifier, wie oft oder meistens wegzulassen, führt zur Widerlegung der eigenen Argumentation.
  • In der Schlussregel Emotionen ansprechen.
  • Persönliche Erfahrungen sind nicht angreifbar.
  • Versuchen Sie Journalisten zu überzeugen, dass eine Story grottenlangweilig ist.
  • Last, but not least: Hoffentlich muss ich nie gegen die beiden argumentieren ;-).

Markenrecht

Nachtrag (20.4.2014): Heute beim Osterfrühstück – es gab Goldhasen ;-) – habe ich begeistert von dieser Session erzählt … und dabei ist mir aufgefallen, dass ich diese in meinem Rückblick total vergessen hatte – sorry, Astrid – wird direkt nachgeholt

Einen höchst spannenden Einblick in das Markenrecht gab Astrid Christofori @A_Christofori. Sie verglich eine erfolgreiche Marke mit einem Beet voller blühender Blumen. Kümmert sich der Gärtner (= Markeninhaber) nicht darum, wenn sich am Rand des Beetes erstes Unkraut (in Form von Markenrechtsverletzungen) breit macht, kann aus dem schönen Blumenbeet schnell eine Feld aus unerwünschtem Beikraut entstehen.

Anhand dieses Vergleiches ist es leichter zu verstehen, dass Abmahnungen unter Markenpflege fallen. Ignoriert ein Markenunternehmen eine Markenrechtsverletzung und mahnt ein Mal nicht ab, kann dies später schnell als Präzedenzfall ausgelegt werden … und die Marke unterliegt künftigen Nachahmern.

Astrid untermauerte diese Session noch mit interessanten Einblicken in die Markenanmeldung. Natürlich fehlten vergangene und aktuelle Beispiele von Streitigkeiten über Markeneintragungen bzw. -rechtsverletzungen nicht: Apple – Apfelkind, Jack Wolfskin – DaWanda, “Griaß di”. Derzeit beschäftigt die Markenrechtler z. B. die Frage: “Ist der Schoko-Teddy in Goldfolie von Lindt die dreidimensionale Darstellung des Wortes Goldbär von Haribo?”.

Visualisierung von Shitstorms

Angela Harre @angelaharre stellte vor, wie sie mithilfe der Programmiersprache ‘R’ Shitstorms visualisieren und prognostizieren kann. In die Programmierung fließen Art des Netzwerkes, Themen, Positionierung und Instrumente ein. Anhand der Visualisierung sind u. a. Informationsbroker oder tote Enden leicht zu identifizieren.

Zusammenarbeit mit behördlichen Krisenstäben

Wichtiger Tipp von Maike Kranaster @MaikeKranaster : Sollten Sie Teil der kritischen Infrastruktur (z. B. Strom-/Wasser-/Lebensmittelversorgung) sein, suchen Sie in „Friedenszeiten“ Kontakt zu behördlichen Krisenstäben und tauschen Sie Informationen zum Unternehmen, Kontaktdaten u. ä. aus.

Dank an Organisatoren und Sponsoren

KrisenPRCamp 2014: Sponsoren Stefan Evertz @hirnrinde und Mike Schnoor @MikeSchnoor haben dieses erste KrisenPRCamp für alle Teilnehmer wunderbar organisiert – ein herzliches Dankeschön dafür!

Ohne Sponsoren und Partner wäre eine solche Veranstaltung nicht möglich. Auch ihnen gilt mein Dank:

Was andere Teilnehmer über das KrisenPRCamp schreiben:

Weitere Präsentationen im Netz:

Tim Ebner: Was ist ein Shitstorm? Eine klare Checkliste und Definition
Kai Heddergott: Kommunikative Prokura

Sollte ich Blogbeiträge oder öffentliche Präsentationen anderer KrisenPRCamp-ler übersehen haben, schreibt mir einen Link in die Kommentare. Ich nehme diese in die Liste auf, danke.

Fotos: © Manuela Seubert

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