#bcrm13 - Tag 2: Journalismus, Netzwerke, Content und Kommunikationsberatung

Veröffentlicht am 01.12.2013 von Manuela Seubert

Dies ist mein Bericht über den zweiten Tag am Barcamp Rhein-Main (23./24.11.2013) auf dem Mediencampus in Darmstadt-Dieburg. Den ersten Tag habe ich hier beschrieben.

Im Folgenden reiße ich mal mehr, mal weniger ausführlich an, welche Sessions ich am Sonntag besucht habe, welche Inhalte diskutiert wurden und verlinke ggfs. zu Blogbeiträgen des Vortragenden oder interessanten Websites.

Scrum in Großunternehmen

Bereits beim meinem ersten BarCamp schätzte ich es ungemein, mit Technikern ins Gespräch kommen zu können und in deren Sessions ein wenig Technikluft zu schnuppern. Allerdings kann ich Marketing- und Kommunikationsmensch lediglich die technische Oberfläche ankratzen und ein wenig verstehen lernen. Die Session zu “Scrum für Großunternehmen” von Stefan Opitz wollte ich mir daher anhören. Ich wusste lediglich, dass Scrum eine Softwarelösung ist, um komplexe Projekte in Unternehmen zu managen, – d. h. ich könnte durchaus in meiner Projektarbeit in Berührung kommen. Leider musste ich feststellen, dass dies eine Session für Fortgeschrittene war, sodass ich sie verlassen musste … was sicherlich nicht an Stefan lag!

Was zum Teufel bedeutet eigentlich Journalismus?

So kam ich mit etwas Verspätung zur bereits gestarteten Session von Julian Heck und Martin Krauß zur Zukunft des Journalismus. Die Diskussion in der Session rüttelte an den Grundmauern des jetzigen (Lokal-)Journalismus und brachte spannende Fragen auf, die in so kurzer Zeit nicht allumfassend behandelt werden konnten.
Julian Heck hat hier die Session aus seiner Sicht zusammengefasst.

Zwei weitere Punkte sind mir noch im Gedächtnis geblieben, die in Julians Blogpost nicht (direkt) angesprochen werden:

  1. Die Produktion und Versand von Neuigkeiten fallen mehr und mehr auseinander. Die Leser akzeptieren mittlerweile anderen Medienkanäle als die gedruckte Zeitung. Die Unternehmen, die ihre Informationen über Pressemitteilungen in die Welt verteilen, werden mehr und mehr selbst publizistisch tätig. Als Beispiel wurde Coca-Cola genannt, die bis Ende 2014 ihre Pressemitteilungen halbieren und bis 2015 ganz einstellen wollen.
  2. Für neuen Newsformate haben die meisten Verlage keinen Mumm. Sie investieren lieber in teure Druckmaschinen.

Frauen und Technologie

Mounia Hajjaoui von den Digital Media Woman/Rhein-Main stellte in einem mit Frauen und Männern besetzten Hörsaal zum einen die Ziele der Digital Media Woman vor. Bekenntnis der DMW ist “Kompetenz vor Quote – nicht brabbeln, sondern machen”. Zum anderen stellte sie zwei provokante Fragen, die das Plenum zu zahlreichen Meldungen und intensivem Gedankenaustausch zum #gendergap anregte:

  1. Können Frauen keine Technik?
  2. Können Frauen nicht netzwerken?

In dieser Session sollten die üblichen 45 Minuten (+ 15 Minuten, bevor wir von den nächsten Sessionteilnehmer berechtigterweise nach draußen befördert wurden) nicht ausreichen.

Spontan entschlossen sich ein Teil der Sessionteilnehmer zu einer Breakout-Session an der Kaffeebar … und wäre dann nicht die Mittagspause gewesen, säßen wir wohl immer noch dort ins Gespräch vertieft :-) … ein Dankeschön an alle Frauen und Männer, die so offen mitdiskutierten – “Rhein-Main rocks”!

Der Gordische Knoten oder: “Quo vadis Content, Content Strategy und Kommunikationsberatung?”

Drei Sessions, an denen ich teilnahm, beschäftigten sich m. E. n. im weitesten Sinne mit ähnlichen Problemen: Was ist relevanter Content, welche Elemente hat eine Content Strategy, wie sieht Social Media im B2B-Alltag aus und was bedeutet das alles im Beratungsalltag und der Realität in Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMUs)?

  1. “I have no clue, I have no train, but I have to travel” von Sascha Stoltenow
  2. “B2B Social Media als Abfallprodukt” mit Anna Gros und Jan, dessen Nachnamen und Twitter-Account ich nicht kenne, sorry.
  3. “Beratung von KMUs in Kommunikationsfragen > Erfahrungsaustausch” von Pia Helferich und Matthias Bastian der eBusiness-Lotsen.

Content ist in aller Munde, ein Buzzword, das den Durchbruch für … was auch immer schafft. Je nach Autor, Organisation, Abteilung, Groß-, Mittel- und Kleinunternehmen, Speaker, Experten u.v.m. ist das unterschiedlich. Über Content wird weltweit landauf und landab gesprochen, dividiert, multipliziert, gerungen, gerätselt und gezaudert. Mal ist Content King und Heilsbringer, ein anderes Mal ist das Buzzword Content Strategy Auslöser dafür Zuhörer/Kunden ins gedankliche Chaos zu stürzen, zumal wenn es in Abgrenzung zu Content Marketing daherkommen sollte.

Die drei oben genannten Sessions machten mir klar, wie verzwickt dieses Thema derzeit für viele Beteiligte ist. Auf der einen Seite wird sehr umfassend auf relativ abstraktem und teils wissenschaftlichem Niveau über Content Strategy diskutiert, dazu Definitionen und Prozesse festgelegt, Ansatzpunkte gesucht und neue Wege ausprobiert bzw. beschritten. Meist finden diese Gespräche in Universitäten, Großunternehmen und großen Agenturen statt.

Einen Einblick dazu bietet ein Google+ Beitrag von Sascha, dem eine intensive Diskussion in den Kommentaren folgte (auch die darin genannten Links sind sehr aufschlussreich, v. a. das lesenswerte Interview mit Hilary Marsh).

Bei Anna und Jan sollte eine Facette in diesem ganzen Content-Kontext diskutiert werden: Soll ein B2B-Unternehmen einen Social Media-Kanal mit Inhalten bespielen, um vom indirekten Kunden – nicht dem direkten Geschäftspartner – wahrgenommen zu werden, um damit die eigene Sichtbarkeit zu vergrößern und einen Pull-Effekt auszulösen? Schnell triftete die an sich praktisch erwartete Diskussion wieder auf ein abstraktes Level ab, das zu Grundsatzdiskussionen um Content führte. Ein Teil dieser Sessiondiskussion ist ebenfalls in o. g. Google+-Beitrag angedeutet.

Gänzlich “Down to earth” war meine letzte #bcrm13-Session über die Beratung von KMU in Kommunikationsfragen von Pia und Matthias. Während global die Köpfe rauchen über die Content Strategy, sind Kommunikationsagenturen, Freiberufler und IT-Dienstleister damit konfrontiert, dass die Kunden Vertrieb und Marketing machen wollen, um damit Geld zu machen. “Kommunikationsstrategie brauchen wir nicht”, ist nicht selten von Kunden zu hören. Da kann sich jeder vorstellen, was ein kleinerer Unternehmer wohl antwortet, wenn man plötzlich mit einer Content Strategie aufläuft.

Aus der Praxis wiesen die eBusiness-Lotsen darauf hin, dass häufig schon ein erster Ansatz bei KMUs eine zeitgemäße Website sei. Viele Kunden hätten Probleme zu erkennen, welche Agenturen/Berater Qualität liefern und verlieren Vertrauen in die Zunft der Kommunikationsberater. Ein Teilnehmer warf noch ein, dass KMUs mit dem richtigen Storytelling und der richtigen Content Strategy durchaus sogar in die Gefahr des zu schnellen, existenzgefährdenden Wachstums geraten könnten.

Meine Erkenntnisse aus den drei Sessions:

  1. Um Content Strategy wird im besten Sinne (d. h. relevante, leicht und schnell zu findende Inhalte durch den Kunden zu einem Produkt/einer Organisation) gerungen. Zur Anwendung kommt sie derzeit v. a. in Großunternehmen, die mit den Massen an erstellten Inhalten und vorhandenen Silos konfrontiert sind; sie erkennen u. a., dass ihre Kunden nicht die gesuchten Informationen auf ihrer Website finden. Diese Großunternehmen wissen daher diesen Ansatz mehr und mehr zu schätzen.
  2. Social Media ist ein Instrument im Kommunikationsorchester, das man bespielen kann – doch das Wie und Warum ist für den Kunden nicht immer klar.
  3. Bei den KMUs vor Ort ist häufig die Beratungssituation weit entfernt von Content-Diskussionen, da braucht es manchmal zunächst schriftlich festgehaltene Unternehmensziele!!!
  4. In der ganzen Diskussion zum Einführen von Content Strategy in Unternehmen habe ich derzeit das Gefühl, dass es nicht nur die Abteilungs-Silos innerhalb einer Organisation zu überwinden gibt, sondern mittlerweile die Silos zwischen den Diskutanten, die vornehmlich in Großunternehmen Content-Prozesse unterstützten und Beratern, die die KMUs begleiten.
  5. Immer wieder fiel mir eine Empfehlung von Margot Bloomstein auf die Frage ein, wie man den Kunden Content Strategy verkaufen könnte (siehe Hangout auf dem Content Strategy Camp 2013):
    Meist käme der Kunde mit einem konkreten Kommunikationsproblem, das er gerne gelöst hätte; er möchte keine Strategie zu Content oder Kommunikation. Zunächst solle man dieses Problem lösen und damit Mehrwert für den Kunden und dessen Kunden schaffen. Im Laufe oder am Ende des Projektes könne man anknüpfen und mit dem Kunden weitere Prozesse anstoßen, die nicht Content Strategy genannt werden müssten, aber in diese richtige Richtung gingen – m. E. n. eine Ansatzpunkt, der bei großen wie auch kleinen Unternehmen wirkt.
  6. Es bleibt auf jeden Fall spannend, welche Veränderungsprozesse durch die Möglichkeiten des Internets, der sozialen Medien und der Content Strategy in Unternehmen, bei den (End-)Kunden und für Berater/Agenturen/Freiberufler in Bewegung gesetzt wurden und in welche Richtung das Schiff “Content Strategy” segelt.
  7. Persönlich freue ich mich darauf, demnächst zwei englischsprachige Standardwerke zu Content Strategy zu lesen (Rezensionen folgen) und damit weiter in diese Materie vorzudringen.

Viel zu schnell …

… kam die Closing-Session. Noch ein wenig dem BarCamp-Team beim Aufräumen helfen, die eigenen Siebensachen zusammensuchen und den Heimweg antreten.

Für das #bcrm14 habe ich zwei Wünsche:

  1. Die No-Shows sollten geringer sein. Je mehr Leute, desto mehr Erfahrung und unterschiedliche Ansichten bereichern die Sessions.
  2. Hoffentlich führen die immer spezialisierteren Camps nicht dazu, dass die BarCamps weniger besucht werden. So war z. B. von einigen Technikcracks zu hören, dass die IT-Sessions und damit auch IT-BarCamper fehlten. Das fände ich persönlich sehr schade, denn gerade die thematische Vielfalt macht ein BarCamp für mich so reizvoll.

Am Abend zu Hause habe ich im Twitter-Feed zum BarCamp gestöbert und dem BarCamp-Blues gefrönt.
Doch: Nach dem BarCamp ist vor dem BarCamp!

Die Sessions habe ich nach bestem Wissen und Gewissen zusammengefasst. Sollte etwas fehlen oder nicht stimmen, kommentiert bitte.

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