Social Media in der Automobilindustrie #twrm

Veröffentlicht am 26.09.2013 von Manuela Seubert

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Der 9. Twittwoch Rhein-Main (#twrm) am 18.9.2013 stand unter dem Motto Social Media in der Automobilindustrie. Die Social Media-Aktivitäten einer Branche, mit der ich beruflich bisher wenig zu tun hatte, weckten meine Neugier. Und die Internationale Automobilausstellung IAA in Frankfurt bot dazu einen besonderen Rahmen.

Gastgeber des #twrm ist Nissan

Ein ungewöhnliches Gefühl ist es schon, die IAA zu betreten, wenn die Masse der Zuschauer die Messe bereits verlassen hat. Extra gepatched und eingechecked ging es zum Gastgeber Nissan, der seine Gastgeberrolle perfekt ausfüllte. Neben einem attraktiven Messestand gab es einen hervorragenden Messeservice, der schon zu Beginn die Getränke schneller nachfüllte, als man diese austrinken konnte.

Sprecher 1: David Parkinson, Social Media Manager bei Nissan

David Parkinson verantwortet bei Nissan Europe unter anderem den Bereich Social Media, – mit einem Augenzwinkern spricht er von der Verantwortung für den “langweiligen” Part von Social Media. Dieser bestehe u. a. darin, die Umgebung zu analysieren, in der eine Marke agiert, wahrgenommen wird und sich von der Konkurrenz abheben soll. Ein Autokäufer entscheidet sich nicht mehr – im Gegensatz zu früher – im Verkaufsraum eines Automobilherstellers für eine bestimmte Marke/ein bestimmtes Modell. Der heutige Autokäufer verbringt durchschnittlich drei Monate online, um in Sachen Automobil nach Kennzahlen, technischen Eigenschaften und Preis zu recherchieren und ggfs. seine Freunde/Bekannte um Rat zu fragen. Bei Social Media für und von Marken gehe es um “Teach, guide, advise”. Und Dave weiter: “It’s not about stats, it’s about people”. Zuhören, Interaktion, Gespräche seien das Gebot der Stunde.
Über “Engage-Listen-Learn-Evolve” können die richtigen Personen zur richtigen Zeit mit dem richtigen Inhalt gezielt angesprochen werden (“Social CRM”). Als KPI wird der Social Reputation Score verwendet, der die Interaktionen mit Kunden von 1-10 einteilt. “5” seien neutrale Bewertungen, “1-4” schlechte, angestrebt werden Bewertungen “größer 5”.

Sprecher 2: Alexander Lengen, Social Media Manager bei Opel

Alexander Lengen von der Adam Opel AG ging darauf ein, wie die Comeback Story von Opel in den Sozialen Medien durch den Opel CEO Karl-Thomas Neumann unterstützt wird.
twrm_alex1.jpgBevor @KT_Neumann am 1.8.2013 erstmals als CEO von Opel mit dem Twittern begann, gab es in der europäischen Automobilindustrie keinen aktiv twitternden Automobil-CEO. Der Opel-Chef sollte auf Twitter u. a. als nahbar wahrgenommen werden. Dies sei lt. Lengen als Ziel der Twitter-Strategie nur möglich gewesen, weil K. T. Neumann auch im wirklichen Leben ein nahbarer Firmenlenker ist.
Im Vorfeld wurden die Chancen und Risiken eines twitternden CEOs eruiert, die – Anm. d. Autorin – sicherlich auf viele Social Media-Aktivitäten anwendbar sind.

Chancen:

  • Direktes Feedback
  • Dialog auf Augenhöhe
  • Reaktionen
  • Emotionen

Risiken:

  • Direktes Feedback
  • Dialog auf Augenhöhe
  • Reaktionen
  • Emotionen

Von Anfang an wurde deutlich gemacht, dass @KT_Neumann auf Grund seiner vielfältigen Verpflichtungen nicht alleine twittert, sondern von einem Team unterstützt wird. Das unterstützende Social Media-Team hoffte, dass der CEO ca. zwei Tweets pro Woche persönlich absetzte, – seine Tweets zeichnet er mit “/KTN” ab. Mittlerweile ist die Aufgabenteilung zwischen CEO und SoMe-Team von den Followern akzeptiert und die wöchentliche persönliche KTN-Tweet-Rate liegt sogar über der avisierten “2”.
Fazit: Nach knapp zwei Monaten hat der auf Deutsch twitternde CEO von Opel knapp 1.600 Follower, – es hat sich gelohnt.

Specher 3: Thomas Gigold, Autoblogger

Die Automobilbranche hat lt. Thomas Gigold die Autoblogger noch nicht wahrgenommen. Er selbst betreibt das Blog www.autokarma.de. Bloggerrelations, gezielte Ansprache der Autoblogger findet selten statt; Erlösmodelle für Autoblogs gibt es bisher nicht. An Hand eines Blogbeitrages erläutert Thomas Gigold, warum Autoblogger der Automobilindustrie nicht ganz egal sein sollten. In einem seiner Blog-Berichte verfasste er eine Notiz dazu, dass der Fahrergurt eines Autos sehr weit hinten angebracht sei, – kein Hauptfeature für einen Autokauf. Jedoch erhielt er auf diesen Hinweis viel Zuspruch seiner Leser, die dieses Problem ebenfalls haben, obwohl es in “offiziellen” Testberichten nie erwähnt werde.

Sprecher 4: Fabian Rangol von Renault

Den informativen Abend beschließt Fabian Rangol von Renault. Er machte sich u. a. auf die Suche nach den Anfängen von Content Marketing. Für ihn begann alles im Jahr 1923, als der Reifenhersteller Michelin nach einer Möglichkeit suchte, die gut betuchten Besitzer von Automobilen dazu zu bringen, mit ihren Autos weitere Strecken zu fahren … und damit ihre Reifen abzunutzen! Dazu entwickelte der Reifenproduzent den “Guide Michelin”, in dem Restaurants in den Ortschaften außerhalb von Paris empfohlen wurden.

Sympatisch erzählt Fabian Rangol auch von der Dreiecksbeziehung Franzi Do – Deutsche Bahn – Opel, in die Renault als vierter Mitspieler Anfang des Jahres 2013 einstieg. Auf der Facebook-Seite der Deutschen Bahn kündigt “Franzi Do” der Deutschen Bahn in einem lyrischen Liebesbrief ihre Freundschaft auf, denn sie habe in Opel einen verlässlicheren Freund gefunden. Sowohl die Social Media Manager bei der deutschen Bahn als auch bei Opel steigen auf diese “Liebesgeschichte” ein und verfassen viel beachtete und von der Community positiv bewertete Kommentare. Fabian Rangol erklärte offen, dass er nicht durch ausgefeilte Social-Media-Überwachungstools auf diesen Thread aufmerksam wurde, sondern in seiner Twitter Timeline davon las. Spontan entschloss sich das Renault-Social-Media-Team einzusteigen und aus der Dreiecks- eine Vierecksbeziehung zu machen: Als charmanter, neuer Buhler trat ein Franzose namens “Renault” auf die Bühne, der sich ebenfalls um Franzi bemühte, ihre Wahl des Konkurrenten bedauerte, jedoch den beiden weiterhin viel Glück beim Aufbau ihrer Beziehung wünschte. Diese Social Media Liebesgeschichte schaffte es sogar in eine Sendung des WDR.

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Während alle Speaker noch für Fragen gemeinsam auf die Bühne kamen, servierte der exzellente Messeservice bei Nissan den Twittwoch-Besuchern Fingerfood. Ein ausgezeichnetes Catering, das einen informativen Twittwoch abrundete.

Vielen Dank für die Organisation des #twrm auf der IAA 2013 an Sascha Hüsing und Philipp Müller.

Quelle:
Sascha Hüsing’s Twitter-Story zum Twittwoch Rhein-Main IAA Special 2013

Fotos: © Manuela Seubert

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