Mehr Wertschätzung für Neu-Solo-Unternehmer und Mompreneurs!

Veröffentlicht am 20.05.2013 von Manuela Seubert

SoloUnternehmer_Mompreneur Mit viel Interesse habe ich über die letzten Wochen die “Blogparade von Monika Birkner zu mehr Wertschätzung für Solo-Unternehmer” verfolgt. Ich war neugierig, welche Erfahrungen andere „Einzelkämpfer“ machen und welche Tipps sie geben. Mittlerweile ist diese Blogparade auf mehr als 40 Beiträge angewachsen. Unzählige Tipps wurden eingestellt, wie man als Solo-Unternehmer WERTschätzend mit sich umgeht: sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, sich der persönlichen Werte bewusst werden, Preise selbstbewusst verkünden, sich auf Lieblings-/Wunschkunden fokussieren, seine Schatztruhe mit dem eigenen Wert entdecken …

Ein Aspekt wurde meines Wissen bisher nicht angesprochen und deshalb beteilige ich mich „auf den letzten Drücker“ an der Blogparade: Wie sieht es mit der Wertschätzung einer Neu-Solo-Unternehmerin aus, die gleichzeitig Mompreneur ist (= weibliche Geschäftsinhaber, die die Doppelrolle von Mutter und Unternehmerin hat)?

Erste Erfahrungen einer neuen Solo-Unternehmerin

Obwohl ich erst seit November 2011 meine Kommunikations- und Text-Dienstleistungen anbiete, bekam ich viel positives Feedback auf meinen Schritt in die Selbstständigkeit. „Mutig“, „Gute Entscheidung“, „Damit kannst du dich endlich entfalten“, „Ich bewundere dich, ich trau mich nicht, diesen Schritt zu machen“ waren nur einige der Kommentare, die ich erhielt. Erstaunt war ich, dass einige auf diesen Schritt gewartet haben, während ich diesen nie für mich sah. Schließlich gibt es Kommunikationsagenturen und Texter wie Sand am Meer.

Nicht wertschätzende Erlebnisse hatte ich bisher nur zwei. Einmal wurde mir das Community-Management für ein Unternehmen angeboten, das sich selbst überhaupt nicht mit dem „Zeugs“ beschäftigen wollte, und der „Kram“ solle bitte für einen sehr niedrigen Stundenlohn erledigt werden. Vielen Dank, das wurde kein Wunsch-Kunde von mir. Und das andere Mal erhielt ich den Rat, ich solle nicht so deutlich machen, dass ich mich erst kürzlich selbstständig gemacht habe, das würde negativ auf mich zurückfallen. Ich bin jedoch der Meinung, dass dieser potentielle Kunde auf viele Jahre Erfahrung aus Strategie, Marketing, Marktforschung, Public Relations und Texterstellung verzichten würde.

„Familie“: Wert oder Stolperstein für eine Solo-Mompreneur?

Einige Solo-Unternehmer stellen sich die Frage nach dem „Ich“ oder „Wir“ auf Ihrer Website, – das war mir von Anfang an klar: „Ich“. Wie häufig habe ich als Angestellte Dienstleister gesucht und erst im Impressum wurde mir klar, dass diese „Agentur“ ein Solo-Unternehmer war. Es hinterließ einen negativen Beigeschmack bei mir.

Unsicher war ich hingegen, ob ich als „Solo-Unternehmerin im Aufbau“ den Kunden erzähle, dass ich nachmittags meinem „Zweitberuf Familienmanagerin“ nachgehe oder es verschweige und über die Auftragsannahme steuere. Als abhängig Beschäftigte in Teilzeit ringen viele Frauen ständig mit sich selbst: Sie können weder der Arbeit noch der Familie zu 100% gerecht werden. Viel Wertschätzung, Vertrauen, Verständnis und berufliche Entwicklung hängt vom Vorgesetzten ab. Wie sollte ich also als Unternehmerin damit umgehen? Werde ich als Solo-Mompreneur wertgeschätzt und als gleichwertiger Partner akzeptiert?

Um es vorweg zu nehmen: So wie ich stolz auf meine junge Solo-Selbstständigkeit bin, so stolz bin ich auf meine Familie. Und diese einschränkende Bereicherung zu „unterschlagen“, würde bei mir einen negativen Beigeschmack hinterlassen.

Daher entschied ich mich für einen offenen Umgang. Bei Neukunden lasse ich mir zunächst den Auftrag und den Zeitrahmen schildern. Wenn ich geeignet bin für diese Anfrage, erkläre ich, warum ich – derzeit – zeitlichen Grenzen setzen muss. Projekte mit häufigen oder spontanen Reisetätigkeiten lehne ich ab ebenso wie Projekte, die „gestern“ erledigt sein müssen. Meine Kunden wissen, dass sie sich bei Auftragsannahme durch mich auf meine Leistungen und meine zeitlichen Zusagen verlassen können – das bin ich ihnen gerne schuldig!

Und die Reaktion der (potentiellen) Neu-Kunden?

Die bisherigen Reaktionen haben mich selbst überrascht: „Gut zu wissen, Danke für Ihre Ehrlichkeit“, „Kann ich gut verstehen, denn ich habe mein Geschäft selbst auf diese Weise aufgebaut“, „Verständlich. Ich habe zwar keine Familie, aber ich agiere ähnlich. Denn ich möchte nicht selbst und ständig arbeiten und setzte auch klare, zeitliche Grenzen.“ Das schönste Kompliment erhielt ich kürzlich: „Ich arbeite bei meinen Mitarbeitern und Freiberuflern gerne mit Frauen wie dir zusammen. Ihr wisst, was ihr wollt und könnt, und ihr wisst, was ihr nicht wollt und nicht könnt – und das kommuniziert ihr klar. Ihr könnt eure knappen Zeitressourcen einschätzen und aufgrund eures Organisationstalentes und Netzwerkes entsprechend planen.“

Ich bin überwältigt von diesen Reaktionen und DANKE meinen Kunden an dieser Stelle für diese positiven Reaktionen und das entgegengebrachte Vertrauen!

Mein Fazit

Nach 1,5 Jahren Selbstständigkeit als Solo-Mompreneur bin ich sehr zufrieden mit der derzeitigen Entwicklung und hoffe, dass ich es noch lange bleibe. Sicherlich wird es Anfragen von Unternehmen geben, die mir kein Verständnis entgegen bringen werden und ihre Anfrage zurückziehen. Das muss ich in Kauf nehmen, um selbst authentisch zu bleiben. So habe ich meinen Weg gefunden, Beruf und Familie wertschätzend und zufriedenstellend unter einen Hut zu bringen.

Foto: © Manuela Seubert

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