Kommunikatoren ohne Social-Media-Account: "Muffel" oder "peinlich"?

Veröffentlicht am 04.08.2017 von Manuela Seubert

Kommunikation-Telefon-alt-neuMitte Juni schrieb zunächst Daniel Neuen im PR-Report über Twitter-Muffel und stolz darauf. Ein paar Tage später antwortete Stephanie Tönjes von der Deutschen Telekom mit einem Rant Einfach nur peinlich darauf. Mich ließ diese Aufregung gedanklich nicht los; daher möchte ich nach meinem Urlaub etwas verspätet zur Diskussion beitragen.

Sind Kommunikatoren ohne Twitteraccount wirklich “Muffel” oder gar “peinlich”? Ich kann diese Aussagen und das Kopfschütteln über die Social-Media-Verweigerer unter den Kommunikatoren durchaus verstehen. Mir geht es – manchmal – ähnlich.

Schließlich gibt es viele Gründe, warum ein Kommunikator nicht nur alle Funktionen des Telefons und des E-Mail-Programms kennen, sondern sich tatsächlich auch social skills aneignen sollte:

  • Die sozialen Medien waren zur Kommunikation schon kein Neuland mehr, als 2013 Angela Merkel ihren legendären Neuland-Ausspruch zum Internet machte.
  • Kommunikatoren können Journalisten auch gut auf Twitter ansprechen und Vertrauen aufbauen.
  • Andere aus Sicht eines Kommunikators wichtige Stakeholder sind auf Facebook, Instagram, Snapchat, Xing und Co. unterwegs und unterhalten sich über seinen Arbeitgeber.
  • Kommunikatoren können mit ihren Internetauftritten ebenfalls zur Reputation und Branding ihres Arbeitgebers beitragen sowie für sich selbst eine personal brand aufbauen.
  • Social skills fördern den social mind und damit in Folge auch ein besseres Verständnis für die Veränderung durch die Digitalisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen.
  • u. a.

In dieser ganzen Diskussion um die Kommunikatoren ohne Social-Media-Account vermisse ich allerdings eine Differenzierung innerhalb der Gruppe der Unternehmens-Kommunikatoren.

Warum wird immer nur von den digitalen Totalverweigerern unter den Kommunikatoren gesprochen bzw. sich über diese aufgeregt?
Diese Menschen werden wir mit allen guten Worten nicht überzeugen von den Vorteilen der digitalen Kommunikation und deren effizienten Nutzung; schließlich haben sie alle Argumente der letzten Jahre kalt gelassen.

Es gibt allerdings noch die Kommunikatoren, die gern mehr in der digitalen Kommunikation machen würden, aber in Digitalien nicht so richtig Fuß fassen. Das kann u. a. folgende Ursachen haben:

  • Beim #zukufo im Juni wurde ausführlich über die Rolle der Kommunikatoren diskutiert. Was wenn Kommunikatoren einfach derzeit nicht genau wissen, in welche Richtung sich ihre Verantwortung und damit das benötigte Fähigkeiten-Portfolio tatsächlich bewegt?
  • Lt. Philipp Schindera von der Telekom hat ein Kommunikator derzeit 7 Rollen (auch o. g. Link): Digitalisierungs-Treiber, Orientierungsgeber, Netzwerker, Analyst, Storyteller, Krisenmanager und Event-Experte.
    Himmel, was für ein umfangreiches Aufgabengebiet! Da muss ein Kommunikationschef zwangsläufig einen Schwerpunkt setzen – analog zu den Bedürfnissen seines Arbeitgebers, der Stakeholder und der Branche. Dieser Schwerpunkt ist dann nicht zwangsläufig der “Digitalisierungs-Treiber”.
  • Aufgerieben zwischen diesen im vorigen Punkt genannten Rollen hat ein Kommunikator schlicht und einfach keine Zeit, noch einen persönlichen Twitteraccount zu füllen; er verlässt sich vielleicht auf sein digitalaffines Team, das die Unternehmenskommunikation über Social-Media-Kanäle erfolgreich führt.
  • Der Arbeitgeber und Geschäftsführer betreut selbst die Socia-Media-Auftritte des Unternehmens und sieht twitternde Mitarbeiter nicht gern.
  • Der Kommunikator hat vielleicht tatsächlich schon erste Tweets geschrieben, kommt aber aufgrund des ebenfalls digitalaversen Umfelds nicht weiter.
  • Vielleicht ist er sogar ein digitalaffiner Kommunikator – halt ohne Social-Media-Präsenz. Vielleicht überzeugt er gerade seinen Vorstand, demnächst ein Experiment mit social bots im Kundendienst zu initiieren; zuvor hat er einen webbasierten Instant-Messaging-Dienst im Unternehmen eingeführt, während er zur Zeit mit dem Verkaufsleiter ein Virtual-Reality-Projekt realisiert, das potentiellen Kunden seines Arbeitgebers erlaubt, die individuell gefertigten Großmaschinen virtuell zu begehen und zu bedienen.

Lassen Sie uns weniger bis gar nicht mehr über die Neuland-/Social-Media-Verweigerer unter den Kommunikatoren sprechen und schreiben!

Wir Kommunikatoren mit Social-Media-Erfahrung sollten den Kommunikatoren, die noch nicht den richtigen “Anpack” für Digitalien gefunden haben, u. a. zeigen, wie sie Social Media in ihren hektischen Alltag integrieren können.

So werden die jetzt noch nicht so aktiven Kommunikatoren tatsächlich als Treiber der Digitalisierung innerhalb und außerhalb ihrer Unternehmen wahrgenommen und diese Rolle ebenfalls mit Freude, Effizienz und Professionalität ausfüllen.

Aktualisierung (29.8.2017): In einem weiteren Artikel habe ich die Diskussion für Kommunikatoren, die gern ins Neuland aktiv einsteigen wollen, gedanklich weitergeführt ► Auf geht’s, Kommunikatoren

Foto: Manuela Seubert

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