DPRG ZukunftsForum 2017: Rolle der Kommunikatoren

Veröffentlicht am 23.07.2017 von Manuela Seubert

DPRG-zukufo-2017

Zum dritten Mal fand das DPRG-ZukunftsForum statt, das eine Mischung aus Konferenz und BarCamp ist. Es ging bei dieser Veranstaltung am 22. und 23. Juni 2017 an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen thematisch um die “Rolle der Kommunikatoren”.

Am ZukunftsForum (mit dem Hashtag #zukufo) meines Berufsverbandes nahm ich zum dritten Mal teil – mit großer Vorfreude. Schließlich hatte ich erleben dürfen, wie sich das Veranstaltungskonzept von einer steifen Konferenz in 2015 zu einer lockeren BarCamp-Atmosphäre in 2016 gewandelt hat.

Über das #zukufo bloggte ich 2015 hier und 2016 hier. Aus Zeitgründen ließ mein diesjähriger Rückblick allerdings auf sich warten – vielleicht nicht nur aus Zeitgründen? Denn jetzt beim Schreiben dieser Zeilen merke ich, dass meine Vorfreude nur teilweise erfüllt wurde. Doch dazu später.

Meine Highlights: Rolle der Kommunikatoren im digitalen Wandel

Viele Referenten waren schon im Vorfeld als feste Sessiongeber avisiert. Sie versprachen ein differenziertes Bild auf die Herausforderungen, die Kommunikatoren in Unternehmen, Agenturen und Medienhäusern bei ihrer täglichen Arbeit und ihrer Weiterbildung zu bewältigen haben.

Meine #zukufo-Highlights waren:

  1. Diskussion um die “Zukunft von Agenturen”, die Anna Wellendorf im PR-Report treffend zusammengefasst hat.
  2. Wird KI (Künstliche Intelligenz) die PR-ler ablösen? Dazu sprachen T. Rössing und M. Ewald.
  3. Social Bots, Site-Clones und hybride Bots – diese aktuellen Themen bereitete Giovanni Bruno in seiner Session anschaulich auf.
    => für 2+3 gut nachlesbar beim Rückblick von Helge Weinberg im DPRG-Journal
  4. Philipp Schindera, Kommunikationsleiter bei der Deutschen Telekom, erläuterte die 7 Rollen eines Kommunikators: Digitalisierungs-Treiber, Orientierungsgeber, Netzwerker, Analyst, Storyteller, Krisenmanager und Event-Experten (u. a. beschrieben von Thomas Dillmann im PR-Journal).
  5. Ein mögliches Modell über die benötigten Fähigkeiten des Kommunikators der Zukunft stellten T. Lüdecke und P. Müller vor. Die Teilnehmer konnten sich selbst danach einordnen, anschließend wurde gemeinsam diskutiert, wie gut das Modell anwendbar sei und wo Optimierungsbedarf liegt – beim Modell und den teilnehmenden Kommunikatoren ;-) (Nachlese hier).

Fee Surges von TrueFruits konnte ich in ihrer Session über Community Management leider selbst nicht persönlich erleben. Eine gute, empfehlenswerte Zusammenfassung über die Social-Media-Arbeit dieses Unternehmens und dessen “Klare-Kante-Zeigen” können Sie im PR-Carreer-Center nachlesen.

Warum bin ich trotz dieser Highlights vom #zukufo enttäuscht?

Thematisch weit genug?

  • Ein paar Referenten und ihre Themen kamen mir sehr bekannt vor – aus den vorangegangenen Ausgaben des PR-Reports. Mir ist klar, dass diese Veranstaltung nicht nur DPRG-Mitgliedern offen stand; letztere erhalten diese Publikation qua DPRG-Mitgliedschaft zugesandt. Mich beschlich das Gefühl, bereits Gelesenes zu hören.
  • Als Freiberuflerin schätze ich es auf dieser Veranstaltung, wieder in die Welt der Konzerne und Agenturen einzutauchen. Deren Berichte bringen mich gedanklich für meinen meinen Beratungsalltag weiter und bietet mir daher einen Mehrwert.
    Allerdings fühle ich mich mit den angebotenen Sessions nicht repräsentiert. Werden freiberufliche Kommunikationsberater in Zukunft noch eine Rolle spielen? Werden Sie z. B. von Bots und Textsoftware ersetzt? Welche neue Rollen könnten auf Freiberufler zukommen?
  • Wie kann der Weg zu einem digitalisierten, Kante und Haltung zeigenden Kommunikator gelingen? Welche Wege und Empfehlungen gibt es in die digitalisierte Kommunikation – intern und extern? Unterscheiden sich diese, wenn dem Kommunikator viel oder eher weniger Budget zur Verfügung steht bzw. das Unternehmen groß oder eher klein ist? Wie schaffen es Kommunikatoren, digitale Kompetenzen zu erwerben und im Social Web zu Multiplikatoren zu werden? Welche Hindernisse haben bereits digital agierende Kommunikatoren wie überwunden, und was würden sie auf keinen Fall wieder so machen? Welche Tools erleichtern im hektischen Alltag von vielen Kommunikatoren ganz pragmatisch die “always-on”-Bereitschaft? Diese Fragen wurden m. W. n. gar nicht angeschnitten oder über die im Vorfeld eingeladenen und ausgewählten Referenten abgedeckt.

Wirklich ein BarCamp?

Wenige Teilnehmer nutzten das BarCamp-Format und stellten beim Sessionpitch eigene Themen den Teilnehmern zur Auswahl. Im Nachhinein bedaure ich es, dass ich dies im Vergleich zum letzten Jahr nicht getan habe. Ich wollte einfach intensiv Kontakte pflegen, die ich nur beim #zukufo treffe und in den Sessions mitdiskutieren.

  • Warum bieten so wenige Teilnehmer selbst Sessions an – davon lebt schließlich ein BarCamp? Liegt es daran, dass in der #zukufo-Kommunikation vor der Veranstaltung immer nur die PR- und Kommunikationsgranden gehyped werden? Auf die Möglichkeit eine eigene Session anzubieten, sollte für die nächsten Veranstaltungen deutlicher hingewiesen werden, wenn das BarCamp-Format bei den Teilnehmern noch nicht so klar ist.
  • Gleichzeitig sollte in der Vorberichterstattung erklärt werden, welche Arten von Sessions es gibt. Nicht nur ausgearbeitete Präsentationen sind gefragt, sondern durchaus auch Fragen des Alltags, gemeinsames Erarbeiten einer Problemstellung im Workshop-Stil oder Diskussionsrunden mit offenem Ergebnis.
  • Für diese freien Referenten/Sessionanbieter kann im Vorfeld des #zukufo eine virtuelle Pinnwand eingerichtet werden, auf der deren Sessionvorschläge gesammelt werden – über Tools wie padlet oder Etherpads (Sessionboard vom BarCamp Rhein-Main 2016).

Organisation

  • Das Zeitmanagement der Session war vor allem am ersten Tag schwach: Ähnlich wie 2015 überzogen die Referenten. Resultat: Einerseits kam man zu spät in die nächste Session und andererseits – was viel schwerer für mich wog – kam das Netzwerken zu kurz.
  • Die betreuenden Studenten der WHU sind eine freundliche und engagierte Truppe! Dafür ein großes Lob!!!
    Doch bei ca. 180 Teilnehmern kam ich mir mit 50 Studierenden dieses Mal überbetreut vor. Teils sah ich vor den in schwarzen T-Shirts gekleideten Gastgebern die anderen Teilnehmer nicht mehr und hatte manchmal das Gefühl, als Teilnehmer in der Minderzahl zu sein.
  • Seit der jeweils ersten Veranstaltung schätze ich das #zukufo und ebenso das Content Strategy Camp – beide Veranstaltungen interessant für Kommunikatoren, beide Veranstaltungen in BarCamp-Format. Und beide Veranstaltungen bereits erneut mit einem Tag Überschneidung! Mitglieder der Organisationsteams kennen sich teilweise – bitte kommuniziert miteinander und versucht für eure Veranstaltungen getrennte Termine zu finden; damit ich und noch ein paar andere Interessierte beide Veranstaltungen komplett besuchen können.

Ausblick 2018: #zukufo oder #cosca oder beides?

Ohne Zweifel: Die DPRG ist seit 2015, nicht zuletzt auch durch den neuen Vorstand, in Bewegung geraten – frischer, moderner und v. a. aktueller in Hinsicht auf Themen, die Kommunikatoren und ihre Herausforderungen bewegen! Das drückt sich auch im ZukunftsForum mit seinen interessanten Referenten und relevanten Sessions aus.

Jedoch hat sich das #zukufo dieses Jahr wieder mehr in Richtung Konferenz bewegt, die mir einfach nicht mehr liegt. Gleichzeitig beschlich mit das Gefühl, die Themen bereits aus dem PR-Report zu kennen.

Ich werde wohl in 2018 meine Anmeldung zum #zukufo nicht direkt bei Öffnung der Buchungsmöglichkeit nutzen, sondern abwarten. Welche Referenten sind im Vorfeld gesetzt? Lese ich über ihre Themen bereits im Verbandsmagazin? Werden Teilnehmer aktiv über das BarCamp-Format aufgeklärt, die verschiedenen Sessionarten erläutert und gebeten, auch aus dem Alltag von kleinen Agenturen, Freiberuflern und Nicht-Dax-Unternehmen zu berichten bzw. aktuelle Herausforderungen offen zu diskutieren?
Und schließlich: Gibt es wieder eine Überschneidung mit dem #cosca? Wenn ja: An welchem BarCamp nehme ich dann tatsächlich teil?

Foto: Manuela Seubert; Candy Bar des Sponsors Landau Media beim #zukufo

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